Rede von Bundesministerin Steffi Lemke zur Eröffnung des 16. Zukunftsforums ländliche Entwicklung "Land.Kann.Klima"

25.01.2023
Steffi Lemke hält eine Rede beim Zukunftsforums ländliche Entwicklung.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat auf dem "Zukunftsforum Ländliche Entwicklung" eine Rede gehalten. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung ist "Land.Kann.Klima".

– Es gilt das gesprochene Wort –

Lieber Cem Özdemir,
Liebe Frau Kollegin, Ministerin Heather Humphreys,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

das "Zukunftsforum ländliche Entwicklung" findet heute zum 16. Mal statt. Zum ersten Mal jedoch war das Bundesumweltministerium als Partner an der Ausrichtung beteiligt. Das freut mich sehr. Denn es verdeutlicht die "strategische Allianz" zwischen Umwelt und Landwirtschaft, die Cem Özdemir und ich zum Antritt der neuen Bundesregierung ausgerufen und seitdem vertieft haben.

Das neue Miteinander zeigt sich vielerorts auf der diesjährigen Grünen Woche. Erwachsen ist es aus einer Erkenntnis, die sich mittlerweile nicht mehr ignorieren lässt: Die großen ökologischen Krisen – die Klimakrise, das Artenaussterben und die Verschmutzungskrise – gefährden mittlerweile unsere Lebensgrundlagen, unsere Landwirtschaft, unsere Ernährung und damit auch jedwede Entwicklung im ländlichen Raum.

Alle Regionen in Deutschland sind betroffen, besonders spürbar sind die Probleme jedoch im ländlichen Raum.

  • Jeder Sommer bringt neue Hitzerekorde mit sich, die Durchschnittstemperaturen steigen.
  • Starkregen und Flutereignisse überschreiten jede bekannte Grenze – zuletzt bei der Katastrophe im Ahrtal mit mehr als 180 Todesopfern.
  • Dürreperioden lassen unsere Böden, Wälder und Flüsse austrocknen.
  • Dazu kommt der Verlust wertvoller Böden, duch Bodenversieglung, Verdichtung, zu enge Fruchtfolgen und den übermäßigen Einsatz von Pestiziden.
  • Wälder geraten unter Stress, durch Sturmschäden, Dürre, Waldbrände und die Massenvermehrung von Schadinsekten wie dem Borkenkäfer. Gerade die nicht naturnahen, standortfremden Nadelholz-Monokulturen sind vielerorts komplett zusammengebrochen.
  • Invasive Arten machen sich breit, bisher heimische Pflanzen und Tiere geraten unter Druck. Mit neuen Arten, wie etwa der Tigermücke, wandern neue Krankheiten ein.

Die Auswirkungen der ökologischen Krisen bedrohen mittlerweile Lebensperspektiven und Arbeitsplätze vieler Menschen, gerade im ländlichen Raum. Sie bedrohen die Wertschöpfung verschiedenster Sektoren, sei es in der Landwirtschaft, in der Energiewirtschaft oder im Tourismus. Und zwar nicht nur in den Skiregionen, über die gerade viel berichtet wird.

Die gute Nachricht ist: Wir wissen, was zu tun ist: Wir wissen, was wir tun müssen, um die Klimakrise einzudämmen und das Artenaussterben zu stoppen. Wir wissen, wie wir wirksam Vorsorge treffen. Und dass das eine gemeinsame Aufgabe ist.

Das Motto des diesjährigen Zukunftsforums ist "Land.Kann.Klima". In den Themenforen, zu denen auch das Bundesumweltministerium beigetragen hat, zeigt sich, wie viele gute Ansätze es gerade im ländlichen Raum gibt.

Besonders effektiv sind Lösungen, die gleichzeitig das Klima schützen und die Artenvielfalt stärken. Denn das ist der Ansatz, den ich auch in meiner Politik verfolge. An drei Beispielen will ich das erläutern:

Erstens das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, ein Schwerpunkt meines Hauses.

Ziel ist es, naturnahe Wälder, Auen und Moore zu erhalten und neu zu schaffen, grünere Städte und mehr Wasser in unseren Landschaften. Denn intakte Ökosysteme sind gleichzeitig Klimaschützer, wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere und besser gewappnet gegen die Folgen der Klimakrise.

Dafür nehmen wir viel Geld in die Hand: Bis 2026 wird die Bundesregierung vier Milliarden Euro für den Natürlichen Klimaschutz bereitstellen. So können wir viele attraktive Fördermöglichkeiten, gerade auch für den ländlichen Raum, schaffen.

Das finale Programm will ich noch in diesem Frühjahr ins Kabinett bringen. Parallel dazu arbeiten wir bereits an ersten Förderrichtlinien, die bis zum Sommer in Kraft treten werden. Eine davon richtet sich ausdrücklich an Kommunen im ländlichen Raum.

Mein zweites Beispiel: Die Nationale Wasserstrategie. Die Nationale Wasserstrategie betrachtet die Herausforderungen der Wasserwirtschaft in Deutschland bis zum Jahr 2050. Sie beschreibt, wo wir bis 2050 hinwollen und welche Ziele und Maßnahmen wir auf dem Weg dorthin verfolgen. Ich will damit unter anderem dafür sorgen, dass die Klimarisiken im Hochwasserrisikomanagement noch viel stärker berücksichtigt werden. Auch Dürre und Niedrigwasser müssen in der Planung eine stärkere Rolle spielen. Das erfordert Renaturierungen, eine nachhaltige Entwicklung von Gewässern und Auen sowie einen naturnahen Wasserhaushalt. Die Nationale Wasserstrategie will ich im Frühjahr dieses Jahres ins Kabinett bringen.

Mein drittes Beispiel: Cem Özdemir und ich werden unsere gemeinsamen Bemühungen verstärken, Wälder zu naturnahen und damit klimastabileren Waldökosystemen umzubauen. Unser Ziel ist die Entwicklung klimastabiler Mischwälder heimischer Baumarten wie zum Beispiel Buche, Eiche, Linde und Spitzahorn. Nur gesunde, naturnahe Wälder können für Abkühlung sorgen, vielfältigen Arten Lebensräume bieten, Wasser in der Landschaft halten und Dürren und Starkregen standhalten. Auch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz wird dazu beitragen, den Paradigmenwechsel im Wald zu gestalten.

Neben diesen konkreten Vorhaben koordiniert das Bundesumweltministerium die Aktivitäten zur Klimaanpassung und -vorsorge auf nationaler Ebene:

  • So arbeiten wir an einer Klimaanpassungsstrategie, die die Deutsche Anpassungsstrategie von 2008 weiterentwickelt. Diese wollen wir mit messbaren Zielen versehen. Daran arbeiten wir derzeit im Ressortkreis.
  • Mit einem Klimaanpassungsgesetz wollen wir das gemeinsame Handeln noch besser steuern. Ich werde hierzu noch im Frühjahr die Ressortabstimmung einleiten.
  • Darüber hinaus streben wir an, perspektivisch eine gemeinsame Finanzierung der nötigen Maßnahmen durch Bund und Länder abzusichern.
  • Mit seinen Förderprogrammen zur Klimaanpassung unterstützt das BMUV bereits heute Kommunen in der Einführung des Managements der Klimaanpassung. In sozialen Einrichtungen wie etwa Krankenhäusern oder Kindertagesstätten fördern wir Maßnahmen zur Klimaanpassung.

Land kann Klima. Auf dem Zukunftsforum zeigen Sie, wie das geht. Das Bundesumweltministerium unterstützt sie dabei nach Kräften.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in den nun folgenden zwei Tagen viele gute neue Eindrücke und viel neuen Schwung.

Informationen

Natürlicher Klimaschutz

Natur stärken – Klima schützen

25.01.2023 | Rede Naturschutz

Weitere Informationen

https://www.bmuv.de/RE10451
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