FAQ zum Fischsterben in der Oder

Fischsterben in der Oder

Am 9. August 2022 wurde in Brandenburg eine große Zahl toter Fische in der Oder beobachtet. Das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) informierte darüber das Bundesumweltministerium. Was genau das Fischsterben in Polen und Deutschland verursacht hat, wird derzeit intensiv untersucht.

Das Bundesumweltministerium steht dazu auch in engem Kontakt mit der polnischen Seite und tauscht sich kontinuierlich mit den betroffenen Bundesländern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, in deren Aufgabengebiet der Gewässer- und Naturschutz liegt, aus.

Nähere Einzelheiten zu den Ergebnissen und Maßnahmen finden Sie in den folgenden Fragen und Antworten (FAQ) zum Fischsterben in der Oder. 

"Bei der dramatischen Umweltkatastrophe, die sich gerade auf 500 Flusskilometern entlang der Oder mit einem massiven Fischsterben ereignet, wird drastisch deutlich, dass ohnehin stark belastete Gewässer besonders geschützt werden müssen. Nach allem, was wir wissen, gab es einen menschengemachten Eintrag. Außerdem kommen hier wahrscheinlich eine Reihe von Faktoren zusammen, die diese Umweltkatastrophe zusätzlich verstärkt haben. Unter Hitzestress stehende Flüsse, die wenig Wasser führen, sind empfindlicher gegenüber menschlichen Einträgen. Der Ausbau der Oder muss nun gestoppt werden. Er belastet dieses wertvolle Ökosystem zusätzlich. Vielmehr müssen wir entlang des gesamten Flussverlaufs identifizieren, wo Renaturierungsmaßnahmen helfen können, diesen einzigartigen Fluss und seinen Artenreichtum wiederherzustellen. Gesunde und intakte Flüsse helfen dabei, den Wasserhaushalt zu stabilisieren und können Dürren abmildern."

Bundesumweltministerin Steffi Lemke

FAQ Fischsterben in der Oder

Seit wann ist das Fischsterben in Deutschland bekannt?

Am 9. August 2022 wurden auf deutscher Seite in Brandenburg eine große Zahl toter Fische in der Oder beobachtet. Ein Schiffskapitän hatte sie im Fluss gesichtet und dies an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oder-Havel gemeldet, das Schifffahrtsamt hat dann das Landesumweltamt Brandenburg und andere Behörden sowie das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) informiert. Das BMUV bekam diese Meldung vom GMLZ.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

Wann gingen die ersten Hinweise auf eine mögliche Verschmutzung der Oder durch polnische Behörden ein?

Für gravierende Gewässerverunreinigungen mit grenzüberschreitenden Auswirkungen, insbesondere bei Unfällen, haben die Anrainerstaaten im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder (IKSO) ein Warn- und Meldesystem installiert und darin eine feste Meldekette vereinbart. Flussabwärts werden von Hauptwarnzentrale zu Hauptwarnzentrale entlang der Oder grenzüberschreitend Informationen über Vorkommnisse und Verunreinigungen geteilt. Das soll immer zeitnah zum jeweiligen Vorfall erfolgen, damit die Staaten flussabwärts rechtzeitig gewarnt sind. Die Hauptwarnzentrale auf deutscher Seite liegt in Frankfurt (Oder), für sie ist Brandenburg zuständig. Dieses System wird regelmäßig getestet und hat bisher gut funktioniert. Im aktuellen Fall wurde diese Meldekette durch Polen nicht rechtzeitig in Gang gesetzt und Deutschland erreichte erst am 11. August 2022 eine offizielle Meldung aus Polen zum Fischsterben in der Oder. Weitergehende Informationen zur Ursache, der Schadstoffart und -menge enthielt die Meldung jedoch nicht. Das Fischsterben scheint in Polen – in größerem Umfang – bereits Ende Juli beobachtet worden zu sein.

Hinweis: Der 1996 unterzeichnete "Vertrag über die Internationale Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung" (BGBl. 1996 II S. 1708) ist am 28. April 1999 in Kraft getreten. Vertragsparteien sind Polen, Deutschland und Tschechien. Auf den Seiten der IKSO gibt es Informationen zum Internationalen Warn- und Alarmplan und der Meldekette.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

Welche Erkenntnisse gibt es zu den Ursachen des Fischsterbens in der Oder?

Derzeit gibt es noch keine Erkenntnisse dazu, was genau das Fischsterben in Polen und Deutschland verursacht hat. Die Untersuchungsergebnisse des Landeslabors Berlin-Brandenburg zeigten zum Zeitpunkt des Fischsterbens einen hohen Sauerstoffgehalt, eine hohe elektrische Leitfähigkeit, einen hohen Chlorophyllgehalt und unauffällige Befunde an Schwermetallen. Das Fischsterben aufgrund von Algengiftstoffen ist derzeit am wahrscheinlichsten. Ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren ist weiterhin nicht auszuschließen. Schon jetzt lässt sich sagen: Nach den derzeitigen Erkenntnissen hat das Fischsterben keine rein natürlichen Ursachen.

Das Landesumweltamt Brandenburg wird bei den Untersuchungen in Amtshilfe durch das Umweltbundesamt und die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) unterstützt. Die BfG führt weitere Untersuchungen im Auftrag des BMUV durch.

Ergebnisse des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Universität Wien erhärten den Verdacht, dass es in der Oder eine Massenentwicklung von giftigen Brackwasser-Algen gab, die auf hohen Salzgehalt im Wasser angewiesen sind und mit für das Fischsterben verantwortlich sein könnten. Die Algenart Prymnesium parvum kommt auf den betroffenen Abschnitten unter natürlichen Bedingungen nicht in diesem Ausmaß vor. Für ein solches Massenaufkommen ist die Algenart auf hohe Salzgehalte angewiesen, die nur durch industrielle Einleitungen entstehen können. Aktuell fehlt noch die genetische Charakterisierung des Algenstammes. Es gibt über 50 Stämme von Prymnesium parvum, die sich in ihren Umweltansprüchen und der Toxinproduktion stark unterscheiden.

Weitere Untersuchungsergebnisse stehen noch aus. Teilweise sind die Untersuchungen auch technisch sehr anspruchsvoll, weil in alle denkbaren Richtungen hin untersucht werden muss. Die Analysen benötigen deshalb auch entsprechende Zeit.

Aktualisierungsdatum: 08.09.2022

Was wird getan, um das Fischsterben aufzuklären?

Im Bundesumweltministerium kommen seit dem 12. August 2022 unter Leitung von Staatssekretärin Dr. Christiane Rohleder mehrmals in der Woche, seit 12. September wöchentlich, alle Arbeitseinheiten zusammen, die zur Begrenzung des Schadens und zur Ermittlung der Ursache beitragen können. Das BMUV ist von Anfang an mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der polnischen Seite im engen Austausch, sowohl zwischen Expertinnen und Experten als auch auf Leitungsebene.

In der am 14. August 2022 in Stettin vereinbarten deutsch-polnischen Expertengruppe soll die bestehende Zusammenarbeit intensiviert und gestärkt werden. Seit dem 22. August 2022 hat diese Gruppe bereits mehrfach getagt. So sollen die beiderseitigen Erkenntnisse noch besser ausgetauscht und gemeinsam ausgewertet werden, um die Ursachen für das Fischsterben schnellstmöglich zu klären und die erforderlichen Maßnahmen auf beiden Seiten fortlaufend zeitnah an die aktuelle Lage anzupassen. In der Gruppe sind Expertinnen und Experten aus den betroffenen Bundesländern und dem Bund sowie der polnischen Behörden auf nationaler und regionaler Ebene vertreten. Das Umweltbundesamt leitet diese Gruppe von deutscher Seite.

Wichtig ist jetzt volle Transparenz von beiden Seiten, also ein offener Austausch und eine gemeinsame Bewertung aller Ergebnisse. Die Ursache für das Fischsterben und der mögliche Verursacher müssen so schnell wie möglich ermittelt werden, damit das Ausmaß der Katastrophe beurteilt werden kann.

Fest steht: Die Oder ist nun ein schwer geschädigtes Ökosystem. Das genaue Ausmaß der Schädigung ist noch nicht übersehbar. Weitere negative Einflüsse auf dieses wertwolle Ökosystem sollten unbedingt vermieden werden.

Die Umweltkatastrophe wurde beim deutsch-polnischen Umweltrat am 29. August 2022 in Bad Saarow ausführlich beraten.

Aktualisierungsdatum: 15.09.2022

Was hat der deutsch-polnische Umweltrat vereinbart?

Der deutsch-polnische Umweltrat hat vereinbart, dass die deutsch-polnische Expertengruppe bis Ende September 2022 einen gemeinsamen Bericht zu den Ursachen der Umweltkatastrophe an der Oder vorlegen soll.

Außerdem wurde vereinbart, dass zur Abstimmung zur Regeneration der Oder ein gemeinsamer Workshop stattfinden soll, um die in Deutschland und Polen geplanten Maßnahmen auszutauschen und zu prüfen, an welchen Stellen man zusammenarbeiten kann. Ein weiterer Workshop soll dem wissenschaftlichen Austausch zu der – in der Oder gefundenen – Brackwasseralge und dem Umgang mit ihr dienen.

Weiterhin wurde beschlossen, dass der Internationale Warn- und Alarmplan für die Oder so überarbeitet werden muss, dass die Meldepflicht flussabwärts zukünftig in solchen Fällen unmissverständlich ist.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

Wie arbeitet die deutsche und die polnische Seite zusammen?

Bundesumweltministerin Steffi Lemke, Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel sowie der Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus haben sich am 14. August 2022 mit Polens Umweltministerin Anna Moskwa sowie mit Polens Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk in Stettin getroffen, um über die Umweltkatastrophe in der Oder und den weiteren Auswirkungen zu beraten.

Es wurde eine deutsch-polnische Expertengruppe eingerichtet, die seit dem 22. August 2022 bereits mehrfach getagt hat (weitere Informationen dazu unter der Frage "Was wird getan, um das Fischsterben aufzuklären?").

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

Welche Maßnahmen können jetzt noch verhindern, dass kontaminiertes Wasser in die Ostsee gelangt?

Mecklenburg-Vorpommern und die polnische Seite überwachen die Lage im Oderhaff. Bisher sind weder im Haff, noch in den Küstengewässern oder in der Ostsee Auswirkungen beobachtet worden.

Man kann den Wasserfluss nicht aufhalten und Schadstoffe können nicht aus dem Wasser entfernt werden. Falls Schadstoffe in das Haff oder in die Küstengewässer bzw. die Ostsee gelangen sollten, tritt aufgrund der Wassermenge im Haff und im Meer voraussichtlich ein Verdünnungseffekt ein, so dass die Auswirkungen schwächer sein könnten.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit die (erlaubte) Menge von Chemikalien in Flüssen bei niedrigerem Wasserstand in Flüssen abgesenkt wird?

Infolge der Klimakrise werden wir in Zukunft häufiger Zeiten der Trockenheit und Hitzewellen erleben. Beides führt zu Niedrigwasser, was wiederum die Konzentration von chemischen Substanzen in den Flüssen erhöhen kann. Für Chemikalien gibt es klare Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Aufgrund der Klimakrise ist zu prüfen, ob Einleitungsgenehmigungen an Zeiten von Niedrigwasser und hohen Temperaturen angepasst werden müssen. Für Einleitungsgenehmigungen in Gewässer sind die Bundesländer zuständig.

Aktualisierungsdatum: 08.09.2022

Besteht eine Gefahr für die Bevölkerung?

Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität. Deshalb hat das Land Brandenburg und in der Folge auch die betroffenen Regionen in Polen den Kontakt zur Oder für die Bevölkerung verboten. Dies gilt für sämtliche Aktivitäten wie zum Beispiel das Baden, Angeln, Wassersport, Spazierengehen oder Tiere ans Wasser zu lassen. Über sämtliche Informationskanäle und Medien wird die Bevölkerung über die Risiken informiert, Schilder wurden aufgestellt. Brandenburg wird zu gegebener Zeit prüfen, ob die Verbote aufgehoben werden können. Entsprechende Warnungen gab es auch in Mecklenburg-Vorpommern, sie konnten mittlerweile aufgehoben werden.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022

In welchem Umfang wurden bisher tote Tiere an der Oder gesammelt?

In Brandenburg und Polen geht man derzeit insgesamt von fast 300 Tonnen toten Fischen aus, die von der Wasseroberfläche eingesammelt wurden.

Aktualisierungsdatum: 23.08.2022

Welche Auswirkungen hat das Fischsterben in der Oder für die Ansiedlung des Störs?

Die Umweltkatastrophe in der Oder hat erhebliche negative Auswirkungen auf alle aquatischen Bestandteile der Flusslebensgemeinschaft von Wirbellosen bis zu verschiedenen Fischarten. Davon sind auch Baltische Störe (Acipenser oxyrinchus) massiv betroffen, für die seit 1996 umfangreiche Forschungs-, Zucht- und Wiederansiedlungsprogramme durchgeführt wurden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) berichten aktuell von toten Stören, die bereits 90 Zentimeter groß und damit wichtig beim Aufbau eines sich selbsterhaltenden Bestandes waren. Betroffen sind auch zwei Aufzuchtanlagen für Störe, sowohl in Polen als auch in Deutschland, in denen jeweils 10.000 Jungstöre durch das Ereignis getötet oder geschädigt wurden. Die aktuelle Umweltkatastrophe an der Oder hat somit das Potenzial, die Arbeiten zur Wiedereinbürgerung des Baltischen Störs in der Oder substanziell zurückzuwerfen. Dies wird zu einem Zeitpunkt festgestellt, wo die Effekte im Stettiner Haff noch nicht bewertet werden können. Das Stettiner Haff ist neben dem Unteren Odertal die Kinderstube der Störe.

Aktualisierungsdatum: 23.08.2022

Wie kann das Ökosystem Oder wiederhergestellt werden?

Die Oder ist eine wertvolle Lebensader für Deutschland und Polen – ein in weiten Teilen naturnaher Fluss mit wichtigen ökologischen Funktionen. Die Auswirkungen dieser Umweltkatastrophe könnten den Fluss längerfristig schädigen. Umso wichtiger ist es, dass weitere negative Einflüsse auf dieses wichtige Ökosystem unbedingt vermieden werden müssen.

Aktualisierungsdatum: 19.08.2022

Welche Sanktionen wird es für mögliche Verursacher geben?

Es laufen Ermittlungsverfahren bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden in Polen und in Deutschland. Falls man einen Verursacher feststellt, ist grundsätzlich der Staat, in dem der Verursacher sitzt, für Sanktionen verantwortlich.

Aktualisierungsdatum: 06.09.2022