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15.08.2022

Deutsch-Polnisches Treffen zum Fischsterben in der Oder

13.08.2022 | Naturschutz/Biologische Vielfalt

Fischsterben in der Oder

Fischsterben in der Oder
Steffi Lemke, Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel sowie der Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, haben sich am Sonntagabend mit Polens Umweltministerin Adamczyk in Stettin getroffen.

Gemeinsame Expertengruppe vereinbart

Bundesumweltministerin Steffi Lemke, Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel sowie der Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, haben sich am Sonntagabend, 14. August 2022, mit Polens Umweltministerin Anna Moskwa sowie mit Polens Infrastrukturminister Andrzej Adamczyk in Stettin getroffen, um über das Fischsterben in der Oder und zu weiteren Auswirkungen zu beraten. Es wurde vereinbart, die laufende Krisenreaktion in einer gemeinsamen Taskforce zu bündeln. Eine Gruppe aus Expertinnen und Experten der polnischen und der deutschen Seite sollen einen engen und permanenten Informationsaustausch gewährleisten, um die Ursachen für das Fischsterben zu ermitteln und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen zu können.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke: "Uns alle eint die große Sorge über das Ausmaß und die Folgen dieser Umweltkatastrophe. Wir haben heute eine enge Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland vereinbart. Höchste Priorität haben der Schutz der Bevölkerung, Schadenbegrenzung und das Identifizieren des Verursachers. Wir haben eine Expertengruppe vereinbart, um damit sowohl über die Landesgrenzen hinweg als auch zwischen der Bundesebene und den Bundesländern beziehungsweise Woiwodschaften gut zu kooperieren. Die Expertinnen und Experten arbeiten mit Hochdruck an den Analysen, um schnellstmöglich herauszufinden, welche Stoffe und Ursachen zum massenhaften Sterben der Fische und zur Schädigung der Oder geführt haben. Das ist auch Voraussetzung, um die Verursacher schnellstmöglich finden zu können."

Bundesumweltministerin Steffi Lemke in Polen

Axel Vogel, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg: „Unser Grenzfluss Oder ist schwer getroffen, das massive Fischsterben ist erschreckend. Wir müssen fürchten, dass die Oder lange Zeit brauchen wird, um sich von dieser Katastrophe zu erholen – das ist gerade auch für Deutschlands einzigen Auennationalpark Unteres Odertal sehr bitter. Den grenzüberschreitenden Informationsfluss entlang bestehender Meldeketten müssen wir verbessern – deshalb ist es gut, dass wir uns heute mit der polnischen Seite austauschen und beraten. Derweil bitten wir die Anwohnerinnen und Anwohner, sich an die Vorgaben der Landkreise und der Stadt Frankfurt/Oder zu halten und weder im Fluss zu schwimmen noch Fische aus der Oder zu verzehren oder Tiere ans Wasser zu lassen. Der Schutz der Bevölkerung geht vor. Ich danke den polnischen und deutschen Einsatzkräften, viele von ihnen Freiwillige, auf beiden Seiten des Grenzflusses und den polnischen Wojewodschaften wie den Brandenburger Landkreisen, mit denen sich das Landesumweltministerium eng abstimmt, ausdrücklich für das organisierte Sammeln der Fischkadaver. Das Landesamt für Umwelt hat die Alte Oder von der Oder abgetrennt, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eberswalde Vorsorge für die Spree und die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße getroffen. Dadurch soll ein möglicher Eintrag von belastetem Wasser in intakte Ökosysteme verhindert werden."

Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Dr. Till Backhaus: "Ich bin froh, dass die Bundesumweltministerin den Austausch mit Polen weiter intensiviert und die betroffenen Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eng in die Kommunikation mit Polen einbindet. Da der Schadstoffeintrag in die Oder in Polen erfolgte, die Auswirkungen aber bis zu uns an die Ostseeküste nach Vorpommern reichen können, ist eine länderübergreifende Zusammenarbeit zur Aufklärung dieser Umweltkatastrophe von entscheidender Bedeutung. In Mecklenburg-Vorpommern sind die zuständigen Behörden seit Bekanntwerden des Fischsterbens in Alarmbereitschaft und beobachten die Situation vor Ort aufmerksam. Nachdem bereits gestern an drei Stellen im deutschen Teil des Stettiner Haffs Gewässerproben entnommen und ins Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie zur Untersuchung gebracht wurden, werden morgen weitere Probenentnahmen folgen. Bislang wurden hierzulande keine Fischkadaver gesichtet. Dennoch haben wir die Bevölkerung vorsorglich darauf hingewiesen, auf das Angeln, Fischen sowie auf die Wasserentnahme im Kleinen Haff zu verzichten. Da wir die Verschmutzungsursache nicht kennen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht verlässlich abschätzen, welche Auswirkungen die Ereignisse auf die betroffenen Ökosysteme haben werden. Was wir aber wissen, ist, dass auch geringe beziehungsweise verdünnte Schadstoffkonzentrationen ausreichen, um nachhaltig Schaden anzurichten. Mecklenburg-Vorpommern steht an der Seite von Brandenburg und Polen und ist bereit, vorhandenes fachliches und technisches Know-How in den weiteren Prozess einzubringen."

Das Bundesumweltministerium steht in engem Kontakt mit der polnischen Seite, vor allem zum polnischen Umweltministerium. Zudem tauscht sich das Bundesumweltministerium mit den betroffenen Bundesländern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, in deren Aufgabengebiet der Gewässer- und Naturschutz liegt, intensiv aus. Das Landesamt für Umwelt Brandenburg wird bei seinen Untersuchungen zur Schadstoffbelastung in der Oder vom Landeslabor Berlin-Brandenburg und von Bundesseite durch das Umweltbundesamt und die Bundesanstalt für Gewässerkunde unterstützt.

Derzeit gibt es noch keine Erkenntnisse dazu, was genau das Fischsterben in Polen und Deutschland verursacht hat. Die Untersuchungen von Wasserproben und Fischen in Brandenburg, mit Unterstützung von Bundesbehörden, laufen noch. Quecksilber scheint nicht Auslöser für das Fischsterben zu sein. Anfang der Woche werden konkretere Untersuchungsergebnisse vorliegen. Die Umweltkatastrophe wird im deutsch-polnischen Umweltrat am 29. August 2022 auf der Tagesordnung stehen. Die Oder ist nun ein schwer geschädigtes Ökosystem. Das Ausmaß der Schädigung ist noch nicht übersehbar. Weitere negative Einflüsse auf dieses wertwolle Ökosystem sollten unbedingt vermieden werden.

15.08.2022 | Pressemitteilung Nr. 108/22 | Naturschutz/Biologische Vielfalt
Gemeinsame Pressemitteilung: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg, Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern