Wasch- und Reinigungsmittel: Alltagshelfer mit Risiken für Umwelt und Gesundheit

10.05.2022

Reinigungsmittel erleichtern uns das Putzen. Doch wie setzen wir sie richtig ein, um Umwelt und Gesundheit zu schonen?

Bereits vor rund 4.500 Jahren haben Menschen seifenähnliche Produkte hergestellt, die ihnen als Reinigungsmittel dienten. Auch heute sind Reinigungsmittel aus einem modernen Haushalt kaum wegzudenken. Fast täglich kommen sie zum Einsatz: Woll- und Farbwaschmittel, Geschirrspülmittel, Handseife, Glasreiniger, Badreiniger, Allzweckreiniger und viele mehr. Zudem gibt es spezielle Mittel zur Reinigung von Bildschirmen, Autoarmaturen oder Fahrradfelgen.

Einige Reinigungsmittel, wie zum Beispiel Abflussreiniger, müssen jedoch mit Vorsicht benutzt werden. Sieenthalten aggressive Chemikalien. Deshalb wird häufig die Verwendung von Handschuhen empfohlen, damit der Reiniger nicht mit der Haut in Kontakt kommt. Bei den Chemikalien handelt es sich teilweise um starke Säuren oder Laugen, die Haut oder Atemwege schädigen können. Viele Inhaltsstoffe der Produkte sind giftig für Wasserlebewesen und können die Umwelt schädigen oder die menschliche Gesundheit gefährden. Manche Produkte enthalten zudem flüssige Kunststoffe und Mikroplastik.

Zahlen und Fakten

So viel Reinigungsmittel werden in Deutschland verwendet

In Deutschland verbrauchen die Privathaushalte jedes Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel. Das entspricht ungefähr 900 voll beladenen Güterzügen. In das Abwasser gelangten davon im Jahr 2019 etwa 553.000 Tonnen Waschmittel, 332.000 Tonnen Zusätze für Waschmittel und 143.000 Tonnen Handgeschirrspülmittel. Hinzu kommen 176.000 Tonnen Geschirrspülmittel für Spülmaschinen und 223.000 Tonnen Allzweckreiniger.

Problematische Inhaltsstoffe

Folgen für Umwelt und Gesundheit

Die schädlichen Inhaltsstoffe aus den Wasch- und Reinigungsmitteln gelangen vor allem über das Abwasser in die Umwelt. Zwar wird das Wasser zunächst in Kläranlagen gereinigt. Allerdings werden nicht alle Inhaltsstoffe aus dem Wasser herausgefiltert oder durch Bakterien abgebaut.

In Kläranlagen kommen Bakterien zum Einsatz, die zahlreiche Chemikalien biologisch zersetzen können. Jedoch sind in vielen Reinigungsmitteln bestimmte Inhaltsstoffe, wie Farbmittel oder Paraffine enthalten, die nur schwer biologisch abbaubar sind. Seit dem Jahr 2005 ist die Menge dieser schwer abbaubaren Stoffe in Reinigungsmitteln um fast zwei Prozent gestiegen. Sie entsprachen 2019 knapp sechs Prozent der Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln. Insgesamt wurden somit 30.900 Tonnen schwer biologisch abbaubare Stoffe aus Wasch- und Reinigungsmitteln mit dem Abwasser entsorgt.

Die Chemikalien, die nicht in Kläranlagen gefiltert und abgebaut werden können, gelangen in natürliche Gewässer. Dort gefährden sie Mensch und Umwelt. Manche chemischen Stoffe schädigen Wasserlebewesen und reichern sich in der Umwelt oder in Pflanzen und Tieren an. Das kann dazu führen, dass die schädlichen Chemikalien zu uns Menschen zurückkehren: Zum Beispiel, wenn wir die belasteten Pflanzen oder Tieren als Nahrungsmittel zu uns nehmen.

Auch Duft- und Konservierungsstoffe können für uns Menschen problematisch sein. Konservierungsstoffe dienen dazu, die Produkte länger haltbar zu machen. Solche Stoffe sowie Duftstoffe können beim Menschen allergische Reaktionen der Haut oder Atemwegsbeschwerden auslösen.

Nicht zuletzt geht mit Wasch- und Reinigungsmitteln fast immer auch Verpackungsmüll einher, denn jedes Reinigungsmittel hat seine eigene Verpackung. In der Regel besteht sie aus Plastik. Wie viel Müll anfällt, hängt auch davon ab, wie die Mittel dosiert werden, also wie viel oder wenig davon zum Putzen verwendet wird. Und da sollte die Regel gelten: so sparsam wie möglich.

Es ist deshalb besonders wichtig, bereits beim Einkauf von Wasch- und Reinigungsmitteln auf den Umweltschutz zu achten. So kann der Anteil an bedenklichen Inhaltsstoffen, die im Abwasser landen, verringert und Verpackungsmüll eingespart werden.

Umweltverträglich reinigen

Kräftig schrubben, Reinigungsmittel sparen

Wisch und weg – so oder so ähnlich lauten die Versprechen vieler Reinigungsmittelhersteller. Und tatsächlich kann das richtige Mittel den Aufwand beim Reinigen deutlich reduzieren. Hinter der Reinigungskraft von Reinigungsmitteln stecken vier Faktoren. Das hat der Chemiker Herbert Sinner im vergangenen Jahrhundert herausgefunden: Chemie, Mechanik, Temperatur und Reinigungsdauer.

Das Zusammenwirken der vier Faktoren wurde nach Herbert Sinner als "Sinnerscher Kreis" benannt. Er besagt, dass die vier Faktoren Chemie (das Reinigungsmittel und seine Konzentration), Mechanik (die Kraft, mit der geputzt wird sowie der Kontakt zwischen Schmutz und Reinigungsmittel), Temperatur und Reinigungsdauer gemeinsam den Gesamtaufwand darstellen, der nötig ist, um eine bestimmte Verschmutzung zu beseitigen. Verkleinert sich ein Faktor, muss dafür ein anderer vergrößert werden. Das heißt: Wer kräftiger oder länger schrubbt, kann Reinigungsmittel einsparen!

Beim umweltverträglichen Reinigen kommt es neben dem Krafteinsatz aber in besonderer Weise auf die Wahl des Reinigungsmittels an. Viele Spezialprodukte sind zwar sehr wirksam. Doch ihre Inhaltsstoffe sind häufig besonders aggressiv oder umweltschädlich. Ein Beispiel dafür sind Abflussreiniger. Dabei sind solche Spezialreiniger oftmals gar nicht erforderlich. Abflussreiniger werden beispielsweise überflüssig, wenn Abflusssiebe in der Spüle oder Dusche eingesetzt werden. So kann Verstopfungen vorgebeugt werden. Sollten sie dennoch auftreten, helfen meist auch mechanische Mittel. Das kann ein Gummisauger oder eine Abflussspirale sein.

Auch hartnäckige Verkrustungen an Grill- oder Backofenrost können mit weniger aggressiven Mitteln gereinigt werden: Wenn man den Rost zuerst einweicht und dann mit einfachem Küchenreiniger und einem Edelstahlschwamm bearbeitet, kann auf aggressive Reiniger verzichtet werden.

Für die allermeisten Anwendungen im Haushalt genügen die "Klassiker" Allzweckreiniger, Geschirrspülmittel, Badreiniger und Küchenreiniger wie Scheuermilch. Von all diesen Reinigungsmitteln gibt es inzwischen umweltfreundliche Varianten. Erkennbar sind diese etwa am Umweltsiegel "Blauer Engel". Wer diese Mittel einsetzt, kann so ziemlich jeden Schmutz erfolgreich beseitigen. Wer sowohl zertifizierte Reinigungsmittel kauft und zusätzlich sparsam dosiert, reinigt besonders umweltverträglich.

Staatliche Vorgaben

Welche Gesetze gelten für Wasch- und Reinigungsmittel?

In den 1970er Jahren wurde bekannt, dass Wasch- und Reinigungsmittel zu Schäden in der Umwelt führen. Das löste in Deutschland Debatten darüber aus. Deshalb entwickelte die Europäische Union entsprechende Richtlinien und Verordnungen zur Umweltverträglichkeit von  Wasch- und Reinigungsmitteln. Darin wird bis heute die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe für Umwelt und Gesundheit geregelt. Jedoch gelten diese nur für bestimmte Gruppen von Reinigungsmitteln, wie etwa Wasch- und Geschirrspülmittel. Auch eine Kennzeichnungspflicht von allen Inhaltsstoffen auf der Produktverpackung gibt es bis heute nicht. Außerdem gibt der Staat in der Abwasserordnung vor, welche Stoffe aus Haushalten und beispielsweise Wäschereien ins Abwasser gelangen dürfen – und welche nicht, weil sie als gefährlich eingestuft werden.

Alltagstipps

So schonst du beim Waschen und Reinigen die Umwelt

Wenn Wasch- und Reinigungsmittel verwendet werden, belasten diese in jedem Fall die Umwelt. Doch es gibt Möglichkeiten, wie die Belastung verringert werden kann. So kann beim Kauf von Wasch- und Reinigungsmitteln zu Produkten gegriffen werden, die den "Blauen Engel" oder das "EU Ecolabel" tragen. Diese Siegel zeichnen umweltverträgliche Produkte aus. Außerdem sollte man sich nur wirklich notwendige Produkte zulegen und kann auf das ein oder andere Spezialmittel verzichten.

Es lohnt sich nicht nur für die Umwelt, sparsam mit den Mitteln umzugehen und mechanische Hilfsmittel, wie Abflusssiebe oder Gummisauger zu verwenden. Auch für die eigene Gesundheit bringt dies Vorteile.

Und wer nur volle Spül- oder Waschmaschinen anstellt, bei niedriger Wassertemperatur wäscht und ein Kleidungsstück auch einmal lüftet, anstatt es nach kurzem Tragen zu waschen, leistet einen wichtigen Beitrag für die Umwelt und schont zugleich den eigenen Geldbeutel.

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