Wie sichern wir unsere Wasserversorgung?

04.09.2023

Das Wasser wird knapper und durch Verschmutzungen beeinträchtigt. Wir müssen unseren Umgang mit Wasser anpassen.

Die Folgen der Klimakrise werden in Deutschland zunehmend spürbar. Seit 2018 ist es viel zu trocken. Die Dürrejahre 2018 bis 2020 gelten als außergewöhnlich, und auch im Jahr 2022 war die Trockenheit teilweise extrem. Auch die Folgen des Wassermangels für Menschen und Natur wurden in den vergangenen Jahren immer sichtbarer: Wiesen und Felder waren in vielen Regionen verdorrt, in den Wäldern sind mittlerweile massive Schäden zu sehen. Wegen Niedrigwasser in den Flüssen konnten Schiffe zum Teil nicht mehr uneingeschränkt fahren.

Die Bundesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Wasserversorgung langfristig sicherzustellen und Grundwasservorräte zu schützen. Mögliche Konflikte um die Verteilung der Ressource sollen auch geregelt werden, damit in Zeiten von Knappheit klar ist, wie das vorhandene Wasser vorrangig genutzt werden darf.

Warum müssen wir etwas tun?

Alles hängt vom Wasser ab

In Deutschland sind die Menschen daran gewöhnt, dass Wasser in hoher Qualität jederzeit beliebig vorhanden ist. Doch das verfügbare Wasser wird in Deutschland weniger. Noch gibt es keinen flächendeckenden Wassermangel, aber regional tritt er in Dürrejahren bereits auf.

Auch die Belastung durch Schadstoffe ist ein Problem. So gelangen beispielsweise immer mehr Arzneimittelrückstände, Mikroplastik oder Dünge- und Pflanzenschutzmittel in das Wasser. Die Verschmutzungen erschweren die Aufbereitung des Trinkwassers.

Doch vom Wasser hängt alles ab. Für alle Lebewesen auf der Erde ist es unverzichtbar. Gewässer und Feuchtgebiete sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Und wir Menschen benötigen Wasser – nicht nur zum Trinken.

Auch in der Wirtschaft, Landwirtschaft und beim Transport sind wir auf die Ressource angewiesen. Wir benötigen Wasser für industrielle Prozesse, für den Anbau von Pflanzen, die zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden, und als Transportweg für Frachtschiffe. Durch niedrige Wasserstände kam es in der Vergangenheit zur Unterbrechung von Lieferketten.

Auch in vielen städtischen Parks oder in Wäldern war die Trockenheit nicht mehr zu übersehen. Erholungsräume verwandelten sich in Staubflächen. Insbesondere im Osten Deutschlands kam es zu schweren Waldbränden. In einzelnen Regionen wurde die Wasserversorgung von privaten Haushalten eingeschränkt.

Der Mensch und der Wasserkreislauf

Wie greift der Mensch in den natürlichen Wasserkreislauf ein? Entdecke den natürlichen Wasserkreislauf und klicke auf das interaktive Schaubild.

Welche Probleme gibt es?

Wassernutzung und Konflikte

Wie viel Wasser in Deutschland insgesamt zur Verfügung steht, ergibt sich aus den Niederschlagsmengen, der Verdunstung, den Zuflüssen sowie den Abflüssen. Die gesamte Menge des Grund- und Oberflächenwassers, das wir theoretisch nutzen können, wird in der Fachsprache als Wasserdargebot bezeichnet.

Bisher gibt es in Deutschland keinen flächendeckenden Wasserstress. Dieser Begriff wird verwendet, wenn in einem Jahr mehr als 20 Prozent des durchschnittlichen Wasserdargebots entnommen werden. In den vergangenen Jahren hat es jedoch an einigen Orten Engpässe gegeben – vor allem, wenn es wenig geregnet hat und die Menschen gleichzeitig viel Wasser verbraucht haben.

Der Großteil des Trinkwassers in Deutschland stammt aus dem Grundwasser. Grundwasser bildet sich durch Regenwasser, das durch den Boden in den Untergrund sickert. In der Regel bildet sich das Grundwasser in den Wintermonaten neu, in den Sommermonaten sinken die Grundwasserpegelstände, da beispielsweise Pflanzen Wasser aus dem Boden aufnehmen und es verdunstet.

Doch die Neubildung des Grundwassers ist regional unterschiedlich. Im Osten Deutschlands ist die Grundwasserneubildung geringer als in westlichen Regionen, im Süden ist sie besonders hoch.

Gewässer werden vielfältig genutzt. Dabei können alle Formen der Nutzung zur Belastung werden. Zum Beispiel wird Wasser für die Gewinnung von Trinkwasser entnommen oder für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen. Kommunale Kläranlagen leiten Abwässer der Haushalte und Industrie ein. Schiffe transportieren Güter auf dem Wasserweg. Mit der Kraft des Wassers erzeugen Energieanlagen Strom. Um Platz für Gewerbe oder Siedlungen zu schaffen, werden Gewässer auch gezielt verändert, begradigt oder verlegt.

Diese Nutzung kann zu Konflikten führen, wenn verschiedene Interessen aufeinandertreffen. So kann durch die Verschmutzung des Gewässers die Wasserqualität verschlechtert werden, sodass das Wasser nicht mehr für eine bestimmte Nutzung zur Verfügung steht. Beispielsweise kann der Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft dazu führen, dass das Wasser nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt werden kann.

Bei der Wiederherstellung von Auen für Arten- und Hochwasserschutz kann es zum Konflikt mit der Schifffahrt kommen, wenn die Industrie die Wege weiterhin für die Transportschiffe befahrbar machen möchte.

Wasserreserven schützen

Welche Lösungsansätze gibt es?

Deutschland hat sich auf europäischer und internationaler Ebene dazu verpflichtet, die Wasserressourcen zu schützen. Dazu gehört das Bekenntnis der Bundesregierung zu den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 und die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Im März 2023 hat die Bundesregierung die Nationale Wasserstrategie verabschiedet. Sie sieht unter anderem vor, dass Wasserverschmutzer künftig höhere Abwasserabgaben als bisher zahlen sollen. Außerdem sollen die Wasserreserven gesichert werden. Falls das Wasser dennoch knapp werden sollte, wird es Regeln für die Verteilung geben. Die Trinkwasserversorgung habe demnach oberste Priorität. Tiere und Pflanzen sollen ihr Mindestmaß an Wasser erhalten, das sie zum Überleben brauchen. Flächen sollen so genutzt werden, dass Wasser leichter in den Boden versickern kann.

Urbane Lösungen

"Schwammstadt": Eine Stadt, die Wasser speichert

Straßen, Plätze, Häuser: Das Problem vieler Städte ist die Versiegelung des Bodens. Durch den Beton kann das Wasser nicht im Boden versickern und abfließen. Sogenannte "Schwammstädte" sollen dem entgegenwirken. Sie haben beispielsweise bepflanzte Dächer und Fassaden, Versickerungsmulden, aber auch mehr Parks, Grünflächen und Feuchtgebiete, die zur Not als Überflutungsfläche dienen.

Auf dem Land heißt das, dass der Boden nicht durch schwere Maschinen verdichtet und durch Dünger zu sehr belastet wird.

Was kann ich selbst tun?

Sorgsamer Umgang mit Wasser

Wir nutzen in Deutschland nur einen geringen Teil des verfügbaren Wassers für die Trinkwasserversorgung in privaten Haushalten. Angesichts der Klimaveränderungen ist es dennoch wichtig, auch zuhause sorgsam mit Wasser umzugehen. Wassersparen hilft, den Wasserhaushalt zu entlasten und zu vermeiden, dass neue Wasservorkommen erschlossen werden müssen.

Ausführliche Tipps zur Frage, ob und wann Wassersparen sinnvoll ist, nennt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite.

Was kann ich tun?

Tipps für den Umgang mit Wasser

  1. Wenn möglich, energie- und ressourceneffiziente Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Geschirrspüler einsetzen. Auch wassersparende Wasserhähne, Duschköpfe und Toilettenspülungen reduzieren die verbrauchte Wassermenge erheblich.
  2. Weniger warmes Wasser verbrauchen, das hilft zudem beim Energiesparen.
  3. In Dürrezeiten auf das Auffüllen von Pools oder Schwimmbecken sowie die Bewässerung des Gartens verzichten.
  4. Chemikalien sollten nicht über den Abguss entsorgt werden. Spül- und Waschmittel sorgfältig dosieren, damit nicht zu viele Schadstoffe in das Wasser gelangen.
  5. Beim privaten Konsum sollte darauf geachtet werden, dass die Produktion nicht zu viel Wasser verbraucht. Beispiele hierfür sind der Kauf von Textilien aus Bio-Baumwolle oder Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft.

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