Ökodesign: Produkte nachhaltig gestalten

24.01.2022

Jedes Produkt hat Auswirkungen auf die Umwelt. Durch Ökodesign sollen diese so gering wie möglich gehalten werden.

„Design“ ist mehr als Aussehen. Auch die Auswirkungen von Produkten auf die Umwelt und das Klima lassen sich designen. Bereits bei der Planung eines Produktes kann beeinflusst werden, wie hoch der Ressourcenverbrauch ist und wie viele klimaschädliche Emissionen bei der Herstellung, Nutzung und Entsorgung des Produktes freigesetzt werden.

Das ist wichtig, denn die Ressourcen der Erde sind begrenzt. Jedoch lebt die Menschheit aktuell so, als hätte sie mehr als nur einen Planeten zur Verfügung. Zum Beispiel werden natürliche Ressourcen schneller genutzt, als sie nachwachsen können.

Um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu erreichen, müssen der Ressourcenverbrauch und die Emissionen reduziert werden, die durch die Produktion und den Konsum von Gütern entstehen.

Das erfordert, dass viele Produkte anders gestaltet werden. Genau dieses Ziel verfolgt Ökodesign und stellt die Frage: Wie kann ein Produkt so umweltverträglich wie möglich gestaltet werden?

Umweltschäden und Klimawirkungen

Die Folgen unseres Konsums

Egal, welche Produkte wir kaufen, unser Konsum hat Folgen. Wie weitreichend und negativ diese sind, unterscheidet sich jedoch sehr. Fest steht allerdings, dass unser derzeitiges Konsumverhalten die Umwelt belastet.

Zum Beispiel machen Konsumgüter einen Anteil von 38 Prozent am durchschnittlichen persönlichen CO2-Fußabdruck der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands aus. Zum Vergleich: Für weitere 19 Prozent ist die Ernährung verantwortlich. Der CO2-Fußabdruck beschreibt die Menge an Treibhausgasen, die eine Person durch ihre Aktivitäten und Handlungen verursacht. Auch Produkte haben einen CO2-Fußabdruck.

Bei nachhaltigen Produkten sind die schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Klima geringer als bei konventionell hergestellten Produkten.

Um jedoch die Auswirkungen eines Produktes genau zu beurteilen, müssen alle Stationen des Lebenszyklus betrachtet werden. Oft wird dabei das Konzept des „ökologischen Rucksacks“ verwendet.

Mehr Informationen hierzu finden sich im folgenden Artikel.

Begriff

Ökologischer Rucksack

Der Ökologische Rucksack ist ein bildlicher Ausdruck für die Summe der Umweltbelastungen, die mit einem Produkt oder einer Dienstleistung zusammenhängen. Er berücksichtigt dabei den gesamten Lebensweg, von der Idee bis hin zur Entsorgung beziehungsweise Verwertung.

Ein Beispiel: Im ökologischen Rucksack eines Autos landen nicht nur die CO2-Emissionen, die das Fahrzeug während seiner Nutzung ausstößt. Es muss auch berücksichtigt werden, wie aufwendig die Herstellung war, viel Energie und Materialien für die Produktion und Rohstoffgewinnung aufgewendet wurden.

So besteht ein Auto zum größten Teil aus Stahl. Die Rohstoffe dafür sind Eisenerz, Kohle und Kalk. Zum Erzabbau werden Wälder abgeholzt, Flüsse umgeleitet, Erde abgetragen und Maschinen eingesetzt, die unter anderem Benzin oder Diesel verbrauchen. Für die anderen Bestandteile des Autos, wie die Reifen aus Gummi, den Katalysator aus Platin, die Armaturen aus Kunststoff werden weitere Ressourcen benötigt.

Neben den Materialien und der Energie, die für die Rohstoffgewinnung, die Produktion und Nutzung des Autos aufgewendet werden, berücksichtigt der ökologische Rucksack auch, wie lange das Fahrzeug genutzt werden kann und ob Teile nach der Nutzung wiederverwendet oder recycelt werden können.

Definition

Ökodesign: Mehr als Form und Gestaltung

Der Begriff Ökodesign meint nicht nur die äußerliche Gestaltung beziehungsweise Formgebung eines Produktes, sondern den gesamten Prozess des Entwerfens und Konzipierens. Laut Bundesumweltministerium werden bis zu 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Produkts durch dessen Design vorbestimmt.

Bei der herkömmlichen Entwicklung eines Produktes spielen insbesondere die Produktionskosten und der mögliche Gewinn, die Sicherheit und die Zuverlässigkeit eine zentrale Rolle. Wenn ein Produkt jedoch ökologisch (im Sinne des Ökodesigns) gestaltet werden soll, werden zusätzlich bereits bei der Planung nachhaltige Aspekte mitbedacht. Das Ziel ist dann, Produkte so zu entwickeln, dass sie optimal funktionieren und gleichzeitig so wenig Ressourcen und Energie verbrauchen wie möglich. Zudem sollten möglichst erneuerbare Rohstoffe zum Einsatz kommen. Außerdem sollten die Produkte entlang ihres Lebensweges möglichst wenig Emissionen verursachen, zum Beispiel in Form von Schadstoffen, gefährlicher Strahlung oder Lärm. Auch der entstehende Abfall sollte gering sein. Nach der Nutzung sollte das Produkt gut wiederverwendbar beziehungsweise verwertbar (recycelbar) sein.

Konkrete Gestaltungsansätze

Wie wirkt sich Ökodesign auf den Lebenszyklus von Produkten

All die genannten Aspekte gelten für den gesamten Lebenszyklus des Produktes, der aus Rohstoffgewinnung, Herstellung, Nutzung und Entsorgung/Verwertung besteht. Bereits bei der Planung können sie berücksichtigt und im Sinne des Ökodesigns gestaltet werden.

Folgende Kriterien helfen, mögliche Umweltbelastungen und damit das Potenzial für Ökodesign zu bewerten:

Rohstoffgewinnung und Herstellung

  • Aus welchem Material wird das Produkt hergestellt? Werden nachwachsende Rohstoffe (wie Holz, Pflanzenfasern, Zucker, Stärke) und/oder Recyclingmaterialien eingesetzt?
  • Wie viel Energie wird für die Herstellung benötigt und wird Energie aus Solarenergie oder anderen erneuerbaren Energiequellen genutzt?
  • Entstehen Umweltbeeinträchtigungen durch lange Transportwege und umfangreiche Verpackungen?

Nutzung

  • Wie hoch ist der Energiebedarf bei der Nutzung des Produktes?
  • Verursacht es schädliche Emissionen – zum Beispiel Lärm, Abgase oder Schadstoffe?
  • Wie lange kann das Produkt genutzt werden?  

Verwertung und Entsorgung

  • Ist das Produkt wiederverwendbar oder ist es ein Einwegprodukt?
  • Können einzelne Teile recycelt werden?
Ökodesign als gesetzliche Vorgabe und vorbildliche Produkte

Ökodesign-Richtlinie und Bundespreis Ecodesign

Wichtige Aspekte des Ökodesigns haben bereits Eingang gefunden in rechtliche Vorgaben, zum Beispiel in der „Ökodesign-Richtlinie“ der Europäischen Union. Diese gibt unter anderem vor, wie energieeffizient Elektrogeräte sein sollen.

Seit 2021 werden auch Anforderungen an den Ressourcenschutz gestellt. Hersteller werden damit noch stärker beim Produktdesign in die Verantwortung genommen. Sie dürfen Geräte wie Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschinen oder Kühlschränke nur dann auf den Markt bringen, wenn sie Ersatzteile und Reparaturanleitungen bereitstellen. Zudem müssen Ersatzteile mit allgemein verfügbaren Werkzeugen und ohne dauerhafte Beschädigung am Gerät ausgewechselt werden können.

Der Bundespreis Ecodesign zeichnet innovativ gestaltete und umweltverträgliche Produkte, Dienstleistungen und Konzepte aus. Seit 2012 wird der Wettbewerb jährlich durch das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt in Kooperation mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin ausgelobt. Im Jahr 2021 ging der Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Produkt beispielsweise an CareTwice Shampoopulver und in der Kategorie Service an RePack (wiederverwendbare Versandpackungen).

Weitere Preisträger und ergänzende Infos zu anderen Maßnahmen des Bundesweltministeriums finden sich in den Links unten.

Was kann ich selbst tun?

Was hat Ökodesign mit mir zu tun?

Je größer der ökologische Rucksack eines Produktes ist, desto umweltschädlicher ist es. Deshalb sollte man Produkte wählen, die ...

  • wenig verpackt sind,
  • wenig Energie verbrauchen
  • gewichtsreduziert und nicht überdimensioniert sind,
  • multifunktional und/oder modular nutzbar sind,
  • langlebig sind (robust und reparaturfähig),
  • nach der Nutzung gut verwertet und recycelt werden können.

Eine Hilfe beim Einkauf bieten unter anderem folgende Siegel und Effizienzangaben:

  • Die EU-Energieverbrauchskennzeichnung informiert über Energieeffizienz und Energieverbrauch von Geräten. Seit 1. März 2021 gelten bei vielen elektrischen Geräten neue Energielabel: Bisher wurden Produkte nach ihrer Energieeffizienz (je nach Produktgruppe) in die Klassen A+++ bis D eingeteilt. Die „+“-Klassen wurden nun abgeschafft und die Produkte auf einer Skala von A bis G ausgezeichnet.
  • Auch das Umweltsiegel der Bundesregierung „Blauer Engel“ erleichtert die Orientierung. Es kennzeichnet eine Vielzahl von umweltschonenden Produkten und Dienstleistungen.

Wenn viele Menschen umweltverträgliche Produkte kaufen, können sie damit die Produktentwicklung beeinflussen. Denn wenn sich diese Produkte gut verkaufen lassen, bestärkt dies die Hersteller, noch mehr auf Ökodesign-Kriterien zu achten.

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