Meere voller Müll?

22.05.2020

Große Mengen Plastikmüll landen in den Meeren. Weltweit ist das zum Problem für Mensch und Natur geworden.

In den Medien werden oft Zahlen zur Menge des Plastikmülls genannt, der weltweit in die Meere gelangt. Doch dabei handelt es sich um Schätzungen. Die genaue Menge ist nicht bekannt. An Nordseestränden wurden durchschnittlich rund 390 Müllteile pro 100 Meter Strand gefunden. Bei Untersuchungen mit Netzen wurden pro Versuch 400 Müllteile vom Meeresboden geholt.

Das Problem mit dem Plastikmüll

Für Meerestiere wie Vögel, Schildkröten, Delfine, Wale und viele andere kann der Müll zur tödlichen Falle werden. In größeren Teilen können sie sich verheddern und sich erwürgen. Außerdem können die Tiere Müllteile verschlucken und sich daran verletzen. Viele verhungern, wenn ihre Mägen mit Plastik gefüllt sind. Denn die unverdaulichen Plastikteile führen zu einem ständigen Sättigungsgefühl. An der deutschen Nordsee wird bei fast allen Seevögeln, die tot gefunden werden, Plastik im Magen entdeckt. 

Manche Tiere, wie bestimmte Robben und Wale, verstricken sich besonders häufig in Müllteilen. Dazu zählen auch Eissturmvögel. Sie picken ihre Nahrung von der Meeresoberfläche und könnten dabei sehr viele treibende Abfälle aufnehmen. Fast jeder an der Nordsee tot aufgefundene Eissturmvogel hat Plastik im Magen. Fachleute befürchten, dass dadurch in bestimmten Regionen manche Tierarten ganz verschwinden könnten.

Auch für die Menschen ist der Plastikmüll ein Problem. Denn sie brauchen die Meere, zum Beispiel für den Fischfang oder die Erholung. Der Müll kann diese Nutzung gefährden.

Plastik hält mehrere hundert Jahre

Die meisten Kunststoffe werden nur extrem langsam abgebaut. Es kann mehrere Jahrhunderte dauern, bis sie sich vollständig zersetzen. Das heißt, dass sich immer mehr Müll in der Natur sammelt, wenn wir nicht etwas dagegen tun.   

Aus Kunststoffen können auch Chemikalien freigesetzt werden. Manche sind giftig, und manche wirken wie Hormone. Diese sogenannten Botenstoffe können in den Körpern von Lebewesen verschiedene Abläufe und Veränderungen steuern. Wenn Meereslebewesen Kunststoffe aufnehmen, können diese Chemikalien in den Organismus gelangen. Welche Folgen das hat, muss noch näher erforscht werden.

Zahlen

Um wieviel Müll geht es?

In den Medien werden oft Zahlen zur Menge des Plastikmülls genannt, der weltweit in die Meere gelangt. Doch dabei handelt es sich um Schätzungen. Die genaue Menge ist nicht bekannt. An Nordseestränden wurden durchschnittlich rund 390 Müllteile pro 100 Meter Strand gefunden. Bei Untersuchungen mit Netzen wurden pro Versuch 400 Müllteile vom Meeresboden geholt.

Wie gelangt der Müll ins Meer?

Müllteile gelangen auf verschiedenen Wegen in die Meere. Ein Teil stammt vom Land. Diese Abfälle werden häufig achtlos weggeworfen und anschließend von Bächen und Flüssen ins Meer gespült oder in der Nähe der Ufer vom Wind fortgeweht.  Acht von zehn Fundstücken an europäischen Stränden sind Einwegkunststoffe. Meist sind es Wasserflaschen und Verpackungen. 

Ein großer Teil gelangt absichtlich oder unabsichtlich von Schiffen direkt ins Meer.  Zu diesen Abfällen gehört viel Fischfangausrüstung wie Netze, Seile und Kisten. Außerdem werden teilweise Abfälle von Schiffen im Meer verklappt, obwohl es verboten ist.

WDR Quarks

So viel Plastik schwimmt in den Meeren

Auf den Button klicken, um das Video abzuspielen

Plastikmüll verschandelt Strände und Landschaften und in den Meeren treiben riesige Müllstrudel.
Auf den Button klicken, um das Video abzuspielen.

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Viele Mikroplastik-Teilchen entstehen aus größeren Teilen von Plastikmüll. Zum Beispiel, wenn größere Kunststoffteile im Meer durch die Einwirkung der Sonne, durch Wellenbewegungen und Reibung zerfallen. 

Auch beim Waschen von Kleidung aus Fleece entsteht Mikroplastik. Denn dabei werden Kunststofffasern abgerieben und ausgewaschen. In Filtern und Klärwerken werden sie nicht vollständig zurückgehalten und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. 

Es gibt auch Mikroplastik-Teile, die bewusst hergestellt werden. Zum Beispiel als Bestandteil von Kosmetik und Reinigungsmitteln wie Peelings, Zahnpasta, Handwaschmittel, Lippenstift und Make-Up. Auch diese Teilchen können mit dem Abwasser in die Umwelt gelangen. 

Umweltorganisationen fordern seit Langem, Mikroplastik in Produkten zu verbieten. Die Teilchen sind eine unnötige Belastung für die Umwelt, weil es Alternativen gibt. Wegen der Kritik wollen viele Kosmetikfirmen inzwischen auf die Zusätze verzichten.

Lösungen

Was können wir gegen den Plastikmüll tun?

Es gibt viele Bemühungen, um die Situation zu verbessern. Unter anderem hat die G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer einen Aktionsplan gegen Meeresmüll beschlossen.  Es gibt weitere gemeinsame Bemühungen von Staaten, zum Beispiel das Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (sogenanntes OSPAR-Übereinkommen, OSPAR steht für „Oslo-Paris-Kommission“) sowie das Helsinki-Abkommen für den Schutz der Ostsee. 

Die Europäische Union (EU) hat 2019 eine Richtlinie beschlossen, um Plastikmüll in der Umwelt zu verringern. Nach und nach sollen bestimmte Einwegprodukte aus Plastik verboten werden, zum Beispiel Plastikteller.  Außerdem sollen die EU-Mitgliedstaaten den Verbrauch von Plastiktüten verringern. In Deutschland hat das Bundesumweltministerium mit dem Handel vereinbart, dass Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden. Seitdem ist der Verbrauch deutlich gesunken.  

Auch private Aktionen gegen den Meeresmüll gibt es. Ein bekanntes Beispiel ist „The Ocean Cleanup“. Die Initiative hat schwimmende Barrieren entwickelt, die Müll von der Meeresoberfläche einsammeln sollen.  Über das Projekt wurde viel berichtet. Neben Zustimmung gab es auch Kritik. Es wurde bezweifelt, dass The Ocean Cleanup viel erreichen kann. Klar ist, dass Reinigungsaktionen nicht ausreichen, um das Problem zu lösen. 

Denn die Vermüllung hat verschiedene Ursachen. Daher müssen verschiedene Ansätze beachtet werden, um das Problem zu lösen.

Vermeiden ist besser

Wichtig ist, die Entsorgung von Abfällen zu verbessern. Sie sollten verwertet oder recycelt werden und nicht in die Umwelt gelangen. Noch besser ist es, Abfälle möglichst von vorneherein zu vermeiden. Das ist auch in Deutschland als Ziel gesetzlich festgeschrieben. Erreicht werden soll eine sogenannte Kreislaufwirtschaft.  

Dazu gehört, dass Produkte so gestaltet werden, dass möglichst wenig Abfälle entstehen. Das ganze Produkt oder seine Teile sollen wiederverwendbar sein oder die Materialen sollen umweltverträglich recycelt oder verwertet werden können.

Tipps für den Alltag

Was kann ich selber tun?

Um Vermüllung zu verhindern ist es vor allem wichtig, Abfall stets richtig zu entsorgen. In Deutschland funktioniert die Entsorgung sehr gut. Wenn Plastik in der Tonne landet, gelangt es mit Sicherheit nicht in die Natur und schließlich ins Meer.

Noch besser ist es, überflüssige Abfälle ganz zu vermeiden. Gute Alternativen zu Einwegverpackungen aus Plastik sind zum Beispiel Mehrwegflaschen oder Textiltragetaschen. Viele weitere Tipps, um Müll zu vermeiden, bietet das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite.

Auch gegen Mikroplastik in der Umwelt können Verbraucherinnen und Verbraucher einen Beitrag leisten. Sie können zum Beispiel Kosmetik ohne Mikroplastik wählen. Praktische Tipps und Einkaufsratgeber bieten Umweltorganisationen wie der BUND e.V.

Entdecke mehr Themen

Klimawandel: Die Grundlagen

Klimawandel: Die Grundlagen

Generationengerechtigkeit - Das Recht auf Zukunft

Jugendliche auf einem Klimastreik in Minnesota, USA
Generationengerechtigkeit - Das Recht auf Zukunft

Globale Wirtschaft, globale Umweltfragen

Ein Containerschiff auf dem Meer
Globale Wirtschaft, globale Umweltfragen

Gesundheit: Warum wir eine intakte Umwelt brauchen

Autos im Smog
Gesundheit: Warum wir eine intakte Umwelt brauchen

Gegen die Verschwendung: Lebensmittel retten!

Salate in Holzkiste, dabei ein Schild "Nimm mich mit"
Gegen die Verschwendung: Lebensmittel retten!

Insekten in Gefahr

Insekten in Gefahr

Abfall: weniger ist mehr!

Entsorgte Plastikflaschen
Abfall: weniger ist mehr!