Berufliche Bildung: Jeder Job ist "grün"

27.04.2022

In nahezu allen Berufen kann man nachhaltig handeln. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Arbeit und Klimaschutz?

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt immer mehr Bedeutung, auch am Arbeitsplatz. Es gibt immer mehr Berufe in "grünen" Branchen wie den erneuerbaren Energien. Aber auch in anderen Branchen wird Klima- und Umweltschutz stärker integriert: Unternehmen fördern Carsharing, Bäckereien spenden ihre übriggebliebenen Waren des Tages, Baufirmen achten auf Mülltrennung, um Baustoffe besser zu recyceln, Handwerksbetriebe nutzen umweltfreundliche Arbeitsmaterialien und Banken und Versicherungen investieren in nachhaltige Projekte. Viele Unternehmen haben ökologische Arbeitsstandards definiert und kümmern sich um betrieblichen Umweltschutz.

Grundsätzlich können alle am Arbeitsplatz etwas dazu beitragen, Umwelt und Klima zu schützen, beispielsweise in den Bereichen Energieeffizienz, Abfallvermeidung oder Verwertung von bereits gebrauchten Produkten. Entsprechend kann in allen Jobs nachhaltig gehandelt werden.

Nachhaltige Wirtschaft

Warum brauchen wir nachhaltigkweit am Arbeitsplatz?

Die derzeitige Wirtschaftsweise beeinträchtigt unsere Lebensgrundlagen. Die Menschheit hat teilweise bereits die Grenzen dessen überschritten, was die Natur auf der Erde langfristig aushalten kann.

So werden etwa Ressourcen knapp, die für die Produktion von Gütern nötig sind. Beispielsweise schreitet die Entwaldung für die Produktion von Holz voran, die Meere werden überfischt und wichtige naturnahe Flächen für die landwirtschaftliche Produktion umgewandelt oder für Siedlungsgebiete zerstört.

Die ökologischen Grenzen unseres Planeten müssen jedoch eingehalten werden, damit auch zukünftige Generationen eine Welt vorfinden, in der sie gut leben können. Dafür ist jedoch eine grundlegend nachhaltige Wirtschaftsweise notwendig. Als nachhaltig gilt eine Entwicklung, wenn sie dauerhaft ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig ist.

Nachhaltiges Handeln betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern alle Bereiche des Lebens, weshalb ein gesamtgesellschaftlicher Wandel notwendig ist. Dieser Wandel wird auch als Transformation bezeichnet. Damit er gelingt, müssen alle in ihren Lebens- und Arbeitsbereichen auf nachhaltige Weise entscheiden und handeln können.

Arbeit, Umwelt und Klima

Gefährdete Lebensgrundlagen

Es gibt verschiedene Wechselwirkungen zwischen Arbeitswelt sowie Umwelt und Klima. Zum einen wirkt sich die Art des Wirtschaftens auf vielfältige Weise auf die Umwelt und das Klima aus. Zum anderen wirkt sich der Klimawandel auch auf die Arbeitswelt aus. Laut dem Weltklimarat sind die Branchen Energie- und Wasserversorgung, Lebensmittel- und Landwirtschaft sowie Tourismus und Verkehr vom Klimawandel am stärksten betroffen. Doch auch andere Branchen werden sich mit Hitzewellen und anderen extremen Wetterereignissen auseinandersetzen müssen.

Einige Wirtschaftssektoren benötigen für die Herstellung ihrer Produkte große Mengen an Energie und Ressourcen. Dazu zählt zum Beispiel der Chemiesektor. Er ist der größte Energieverbraucher in Deutschland, gefolgt von der Metallproduktion auf Platz zwei. Wird die Energie auf der Basis von Kohle, Öl oder Gas erzeugt, trägt dies erheblich zum Klimawandel bei.

Umweltbelastungen aus Industrie- und Gewerbeanlagen entstehen überwiegend, indem schädliche Substanzen freigesetzt werden sowie durch Lärm und Erschütterungen. Schadstoffemissionen in die Luft stammen beispielsweise aus industriellen Anlagen, dem Verbrennen von Holz sowie aus Autoabgasen.

Auch das Abfallaufkommen wirkt sich auf die Umwelt aus. In Deutschland wurden im Jahr 2019 mehr als 400 Millionen Tonnen Abfall produziert. Die Abfälle entstehen zum Beispiel bei der Herstellung von Produkten, aber auch nach ihrem Gebrauch oder Verbrauch.

Lösungen

Mehr Umweltschutz durch "Greening"?

Vor dem Hintergrund der Umweltauswirkungen unseres Wirtschaftens gewinnt die Notwendigkeit eines "Greenings" an Bedeutung. Darunter wird die ökologisch ausgerichtete Umgestaltung von Arbeitsplätzen allgemein verstanden. Dabei ist es nicht wichtig, ob der Beruf zu einer traditionellen Umweltbranche oder zu den bekannten "grünen" Jobs zählt.

Denn die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise bezieht alle Arbeitsplätze mit ein. Sie führt dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen, andere wegfallen oder umgestaltet werden. Ebenso verändern sich Arbeitsinhalte und damit verbunden die entsprechenden Ausbildungen und Qualifikationen.

Eine "grüne" Wirtschaft erfordert demnach "green skills", also "grüne Kompetenzen". Hierzu zählt etwa ein Umweltbewusstsein, also die Bereitschaft, sich mit nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen. Dabei geht es beispielsweise darum, Strategien zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Energie auf den Arbeitsalltag zu übertragen und technisch umzusetzen.

Definition

"Grüne" Berufe

Unter "grünen" Berufen versteht man berufliche Tätigen, die einen erheblichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Es gibt jedoch keine einheitliche Definition, was einen "grünen Arbeitsplatz" ausmacht und wie er sich von einem herkömmlichen Arbeitsplatz unterscheidet.

Bei vielen Berufen liegt der Zusammenhang mit dem Umweltschutz auf der Hand. Hierzu zählen zum Beispiel die Energieberaterin, der Umweltgutachter oder auch die Technikerin für Umweltschutztechnik. Diese Berufe werden auch als "grüne Berufe" bezeichnet.

Wenn es darum geht, dass ein Beruf etwas zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen kann, dann finden sich in der Praxis viele weitere "grüne" Berufe. Unter Umständen werden dann auch Berufe "grün", die auf den ersten Blick keinen Bezug zu Umweltthemen haben. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich eine Mechatronikerin mit alternativen Antrieben von Fahrzeugen beschäftigt, oder ein Gebäudetechniker Photovoltaikanlagen installiert.

Eingenverantwortung

Auch du kannst etwas tun!

Jeder Mensch kann bei der Gestaltung der nachhaltigen Gesellschaft mitwirken. So etwa mit der Wahl eines Berufs in einer "grünen" Branche wie den erneuerbaren Energien.

Dabei ist es von Vorteil, wenn der Ausbildungs- und Arbeitsplatz in einem Unternehmen ist, das bereits über ein "grünes" Bewusstsein verfügt. Das erkennt man beispielsweise daran, ob das Unternehmen im Arbeitsalltag und in den verschiedenen Produktionsprozessen erneuerbare Energien nutzt, Ressourcen sparsam einsetzt und Abfälle vermeidet.

In einem Unternehmen, in dem das noch nicht der Fall ist, besteht die Möglichkeit, mit einer Vielzahl kleiner Veränderungen zu einem nachhaltigeren Wirtschaften beizutragen.

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