Verbraucherforschung

Ein Mann hält eine Lupe über ein Stapel Pakete

Erster Absatz

Erkenntnisse aus der Verbraucherforschung sind essenziell für gute Verbraucherpolitik. Verbraucherforschung ist auf die Gewinnung von Erkenntnissen über das gesamte Dasein von Verbraucherinnen und Verbrauchern im gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Gefüge ausgerichtet.

Verbraucherforschung dient gleichermaßen der gegenwartsbezogenen und der vorausschauenden Verbraucherpolitik. Denn die Wissenschaft erfasst das sich ständig wandelnde Interaktionsfeld der Verbraucherinnen und Verbrauchern und analysiert Entwicklungen mit anerkannten Methoden wie der empirischen Sozialforschung und weist auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen hin. Das betrifft zum Beispiel das Verhältnis von Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Gesellschaft (unter anderem Konsumbedingungen, Kommunikations- und Interaktionsverhältnisse), zur Umwelt (nachhaltiger Konsum), zur Wirtschaft (unter anderem auf Konsummärkten) und zu Technologien. Die Verbraucherforschung liefert somit wichtige Ansatzpunkte, um die Lebenslagen der Verbraucherinnen und Verbrauchern besser einzuordnen, verbraucherpolitische Instrumente weiterzuentwickeln, und somit die Verbraucherpolitik passgenauer, grundlegender und vorausschauender zu gestalten.

Was ist Verbraucherforschung?

In vielen Wissenschaftsdisziplinen spielen verbraucherrelevante Fragestellungen eine Rolle, so zum Beispiel in den Rechts-, Wirtschafts-, Politik- und Geschichtswissenschaften oder auch in der (Konsum-)Soziologie und Verhaltenspsychologie. Im Zeitalter fortschreitender Digitalisierung spielt auch Informatik für Verbraucherbelange eine wachsende Rolle. Die Verbraucherforschung ist somit durch vielschichtige Blickwinkel geprägt und interdisziplinär angelegt.

Die Verbraucherforschung ist ein dynamisch wachsendes Wissenschaftsfeld, das sich auf immer mehr Lebensbereiche bezieht. So werden beispielsweise das Verbraucherin- und Verbraucherverhalten und Nutzerin- und Nutzerverhalten, Konsumtrends und aktuelle Marktentwicklungen erforscht und analysiert, unter anderem um strukturelle Ungleichgewichte sowie spezifische Verbraucherin- und Verbraucherbedarfe identifizieren zu können. Die Verbraucherwissenschaft kann aufzeigen, wie sich Verbraucherlagen entwickeln, wie sich Konsum nachhaltiger gestalten lässt und welchen Einfluss Lebensstile, Überzeugungen, Werthaltungen und soziale Lagen auf Konsumentscheidungen haben. Erkenntnisse aus den Verbraucherwissenschaften haben zu einem differenzierten Verständnis von Verbraucherinnen und Verbrauchern beigetragen. Sie haben den Blick dafür geschärft, dass sich Verhaltensweisen und Bedürfnisse je nach individuellen Lebens- und Konsumstilen, sozialen Bezügen, Lebenserfahrungen, Gewohnheiten, persönlichen Einstellungen, Persönlichkeitsdimensionen, Kenntnissen und verfügbarer Zeit unterscheiden. Dementsprechend gehen Verbraucherinnen und Verbraucher mit konkreten Entscheidungssituationen verschieden um. Sie nehmen zum Beispiel Angebote unterschiedlich wahr, verarbeiten und bewerten Informationen auf unterschiedliche Weise und treffen individuelle Entscheidungen. Maßnahmen und Instrumente der Verbraucherpolitik sind daher stärker denn je auf wissenschaftsbasierte Antworten angewiesen, damit sie passgenau und zielgruppenbezogen wirken können.

Verbraucherforschung im BMUV

Für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) nimmt die Verbraucherforschung einen wichtigen Stellenwert ein. Die Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Expertise findet unter anderem statt durch die Vergabe von Forschungsaufträgen, durch Projektförderung sowie die Vernetzung und den engen Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Bundesnetzwerk Verbraucherforschung

Eine aktive Vernetzung unter Verbraucherforscherinnen und -forschern ist wichtig, um unter anderem Forschungsergebnisse zu teilen, sich zu aktuellen Fragestellungen auszutauschen und neue Projekte zu entwickeln. Daher unterstützt das Bundesverbraucherministerium das Bundesnetzwerk Verbraucherforschung.

Das Bundesnetzwerk Verbraucherforschung hat sich das Ziel gesetzt, einerseits die verbraucherwissenschaftlichen Akteurinnen und Akteure aus den verschiedenen Disziplinen zu verbinden, und andererseits die Strukturen und die Sichtbarkeit der Verbraucherforschung zu verbessern. Dabei sollen die Verbraucherwissenschaften gefördert werden, um diese als eigenständiges Forschungsfeld in seiner ganzen Bandbreite zu etablieren.

Etwa 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen haben sich inzwischen in dem Bundesnetzwerk zusammengeschlossen. Damit bildet es eine zentrale Säule für die Stärkung und Ausweitung der Verbraucherforschung in Deutschland.

Sachverständigenrat für Verbraucherfragen

Bei der Gestaltung der Verbraucherpolitik wird das Bundesverbraucherministerium vom Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) unterstützt. Das unabhängige Gremium besteht aus neun Mitgliedern und ist interdisziplinär besetzt. Die Mitglieder werden alle vier Jahre neu berufen.

Die Aufgabe des SVRV bestehen darin, das Ministerium auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung von Erfahrungen aus der Praxis zu beraten. Dabei geht es unter anderem darum, die Situation der Verbraucherinnen und Verbraucher zu erforschen und zu beschreiben, Entwicklungstendenzen darzustellen sowie Fehlentwicklungen aufzuzeigen und Lösungswege für aktuelle Herausforderungen vorzuschlagen. Zu diesem Zweck veröffentlicht der SVRV regelmäßig Gutachten, Stellungnahmen und Policy Briefs zu ausgewählten Verbraucherthemen.

Einen Überblick über die aktuellen und vergangenen Arbeitsthemen des SVRV und seine Veröffentlichungen gibt dessen Website.