Moorschutz

Moorlandschaft

Moore schützen für Natur und Klima

Intakte Moore sind nicht nur beeindruckende Landschaften, sie bieten auch wertvolle Lebensräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten und erfüllen wichtige Funktionen für Klimaschutz und -anpassung, den Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie unsere Erholung. Das Bundesumweltministerium (BMUV) setzt sich deshalb sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene dafür ein, Moore als Lebensräume zu schützen und zu erhalten, geschädigte Moore wiederherzustellen und eine nachhaltige Bewirtschaftung wiedervernässter Moorböden voranzubringen.

Der Schutz intakter Moore und die Wiederherstellung und nachhaltige Bewirtschaftung von Moorböden stellen zentrale Herausforderungen dar. Die Wichtigkeit eines besseren Moorbodenschutzes ergibt sich aus der Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. Werden Moorböden für eine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung entwässert, setzen sie erhebliche Mengen an Treibhausgasen frei.

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Nationale Moorschutzstrategie

Das Bundeskabinett hat am 9. November 2022 die Nationale Moorschutzstrategie beschlossen und den politischen Rahmen für alle Aspekte des Moorschutzes auf Bundesebene für die nächsten Jahre vorgegeben. Die Bundesregierung kommt damit einem Auftrag aus der Koalitionsvereinbarung nach. Die Nationale Moorschutzstrategie unterstützt das Erreichen der Klimaneutralität in Deutschland im Jahr 2045. Die Maßnahmen der Nationalen Moorschutzstrategie sollen dazu beitragen, dass bis zum Jahr 2030 die jährlichen Treibhausgasemissionen aus Moorböden um mindestens fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente gesenkt werden. Im Zentrum der Strategie steht die Wiedervernässung von trockengelegten Mooren und Moorböden sowie ihre klimaverträgliche Nutzung mit langfristiger Perspektive. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen die Biodiversität in den Moorregionen fördern. Moorschutz ist ein zentrales Handlungsfeld des natürlichen Klimaschutzes.

Aufgrund der hohen Treibhausgasemissionen aus Moorböden besteht dringender Handlungsbedarf, wenn der erforderliche Beitrag des Moorbodenschutzes zu den Klimaschutzzielen erreicht werden soll. In Deutschland nehmen Moorböden nur circa fünf Prozent der Bundesfläche ein (184.000 Quadratkilometer), verursachen aber circa 53 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2 äq) Treibhausgasemissionen. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Treibhausgasemissionen, die der Landwirtschaft zuzuordnen sind beziehungsweise ungefähr 7,5 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Stoppen lassen sich diese Freisetzungen nur, indem die Wasserstände in den entwässerten Moorböden angehoben werden. Nasse Moore dienen zudem als Lebensraum für hochspezialisierte, an die Umgebung angepasste und deshalb seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten und erfüllen durch ihre Wasserspeicherkapazität wichtige Funktionen als Temperatur- und Feuchtigkeitsregulatoren.

Einen Schwerpunkt der Strategie bilden die land- und forstwirtschaftlichen Aspekte des Moorschutzes, wobei wesentliche Inhalte der "Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz" aufgegriffen und präzisiert werden. Für entwässerte, derzeit land- und forstwirtschaftlich genutzte Moorböden wird es im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz finanzielle Anreize für freiwillige Wiedervernässungsmaßnahmen geben. Möglichst viele entwässerte Moorflächen sollen mittel- bis langfristig wiedervernässt werden. Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz werden noch weitere Maßnahmen für den Moorbodenschutz ausgearbeitet. Gefördert werden sollen zum Beispiel auch neuartige Bewirtschaftungsformen auf wiedervernässten Böden. Das Bundesumweltministerium erprobt bereits über Pilotvorhaben klimaverträgliche Moorbodennutzungen sowie die Entwicklung und Verwertung neuer Produkte aus diesen Nutzungen.

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Der Schutz der Biodiversität stellt einen zweiten Schwerpunkt der Strategie dar. Nur wenige Prozent der Moore befinden sich noch in einem naturnahen Zustand und in der Folge ist die für Moorgebiete typische Artenvielfalt stark bedroht. Naturnahe Moore sollen daher konsequent geschützt, ihr hydrologischer Zustand verbessert und ihre Senkenfunktion gestärkt werden.

Die Moorschutzstrategie basiert auf dem Konzept der Freiwilligkeit und auf finanziellen Anreizen. Um Freiwilligkeit überzeugend einfordern zu können, wird auch die Vorbildfunktion des Bundes in der Strategie betont.

Die Nationale Moorschutzstrategie verfolgt auch das Ziel, dass die Torfverwendung im Gartenbau aufgrund ihrer negativen Klimawirkung beendet und durch nachhaltige Ersatzstoffe abgelöst wird. Die Torfminderungsstrategie des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung von Juli 2022 greift dieses Ziel auf und legt Meilensteine und Maßnahmen für ein Auslaufen der Torfverwendung fest.

Die Nationale Moorschutzstrategie wendet sich an alle gesellschaftlichen Akteure. Das Bundesumweltministerium ist überzeugt, dass der Schutz von Mooren, die Wiedervernässung von bisher entwässerten Mooren und Moorböden und ihre nachhaltige Nutzung nur im Schulterschluss mit der örtlichen Bevölkerung, Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümer und denjenigen, die die Flächen derzeit bewirtschaften, gelingen können. Die Nationale Moorschutzstrategie baut deshalb auf kooperativen Ansätzen und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit auf, durch die ein Transformationsprozess hin zu moorerhaltenden Bewirtschaftungsformen unterstützt werden soll.

Die Moorschutzstrategie umfasst zehn Handlungsfelder mit 49 Zielen und 117 Maßnahmen. Die wichtigsten Themen der Moorschutzstrategie sind:

  • Erhalt aller noch bestehenden naturnahen Moore und deren Wiederherstellung
  • Wiedervernässung von land- und forstwirtschaftlich genutzten entwässerten Moorböden
  • Entwicklung angepasster Bewirtschaftungsformen für wiedervernässte Moorböden, wie z. B. Paludikulturen
  • Vorbildwirkung des Bundes und Maßnahmen auf Bundesflächen
  • Ausstieg aus der Torfnutzung für Substrate und Erden

Bund-Länder-Zielvereinbarung

Unter gemeinsamer Federführung des Bundesumweltministeriums (BMU, jetzt BMUV) und des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) wurde im Oktober 2021 eine Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Schutz von Moorböden unterzeichnet, mit der eine enge Verzahnung der Moorschutzaktivitäten des Bundes und der Länder erreicht wird. Die Zielvereinbarung basiert auf dem gemeinsamen Verständnis des Bundes und der Länder, dass die deutschen Klimaziele nur erreicht werden können, wenn auch im Bereich der Moorböden zügig ambitionierte Maßnahmen zur dauerhaften Reduktion von Treibhausgasemissionen ergriffen werden. Die Umsetzung der Ziele und Maßnahmen beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und erfordert ein kooperatives Handeln des Bundes, der Länder und vor allem derjenigen, denen die Flächen gehören und die sie nutzen. Die Zielvereinbarung baut auf den seit Jahren laufenden Aktivitäten der Länder und des Bundes zum Schutz und zur Renaturierung der Moore auf und entwickelt diese insbesondere im Sinne des Klimaschutzes konsequent weiter.


Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz

Von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung eines ambitionierten Moorschutzes sind die durch das Bundesumweltministerium geförderten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. Sie dienen der Entwicklung innovativer Bewirtschaftungs- und Nutzungsformen auf Moorböden. Sie adressieren neben dem Klimaschutz auch Fragen der Biodiversität, des Landschaftswasserhaushalts und soziökonomische Aspekte einer nachhaltigen Moornutzung. In den Pilotvorhaben sollen anspruchsvolle Modelle und Konzepte für die langfristige Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorböden erprobt, überprüft und für eine breite Umsetzung in Deutschland weiterentwickelt werden.

Ein wesentlicher Ansatz für die Pilotvorhaben ist die deutliche Minderung oder Vermeidung der Freisetzung von Treibhausgasen aus Moorböden. Sie soll durch eine vollständige Wiedervernässung der Flächen erreicht und mit einer ökonomisch sinnvollen und nachhaltigen Bewirtschaftung dieser Moorböden verbunden werden. Hierzu liegen bisher keine ökonomisch tragfähigen Konzepte vor. Die Pilotvorhaben sollen auch dazu dienen, die bestehenden ökonomischen, planerischen und ordnungsrechtlichen Instrumente zu erproben und erforderliche Anpassungen oder Änderungen zu identifizieren. Es ist die Aufgabe und das Ziel der Pilotvorhaben, Erfahrungen für die Nutzung wiedervernässter Moorböden zu sammeln und diese für eine breitere Nutzung verfügbar zu machen. Es sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob die Maßnahmen für eine großflächige Umsetzung geeignet sind. Berücksichtigt werden auch gesellschaftliche Aspekte im Zusammenhang mit dem Moorschutz. Daneben wird auch die Entwicklung angepasster Techniken und Nutzung innovativer Produkte gefördert.