Strahlenschutz – Worum geht es?

Strahlenschutz – Warum?

Seit je her lebt der Mensch in einem natürlichen Strahlenfeld. Die Strahlung kommt von der Sonne (UV-Strahlung), aus dem Weltraum (kosmische Strahlung) und von natürlich radioaktiven Stoffen in Luft, Wasser und Boden (z.B. Radon). Neben dieser natürlichen Strahlung ist der Mensch im Zeitalter der Technik auch einer zusätzlichen Strahlung ausgesetzt. Diese zivilisatorische Strahlung wird zum Beispiel durch den Betrieb von Atomkraftwerken, durch die Anwendung von Röntgenstrahlung in der Medizin und auch aus der Nutzung des Mobilfunks oder dem Ausbau der Stromnetze verursacht.

Strahlung kann Mensch und Umwelt schädigen. Aus diesem Grund werden Grenzwerte gesetzt, so dass nachweisbare Schädigungen vermieden werden. Oberstes Ziel ist es darüber hinaus, die Strahlung so niedrig wie möglich zu halten.

Strahlenschutzgesetz und Verordnungen

Der Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung wird im Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und den auf dem StrlSchG beruhenden Verordnungen, beispielsweise der neuen Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) geregelt. Der Ende 2018 vollständig in Kraft getretene neue Rechtsrahmen, der die europäische Strahlenschutzrichtlinie 2013/59/Euratom umgesetzt hat, hat die alte StrlSchV, die Röntgenverordnung (RöV) sowie das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) abgelöst. Diese sind nicht mehr in Kraft.

Neben dem klassischen Bereich der Tätigkeiten, zu denen zum Beispiel auch die Tätigkeiten nach dem Atomgesetz zählen, richtet das StrlSchG das Augenmerk verstärkt auf Expositionssituationen, in denen Strahlung vorgefunden wird, ohne dass dies geplant oder vorgesehen worden ist, und auf die aufgrund ihrer grundsätzlich nicht unerheblichen Dosis zu reagieren ist. Ist sofortiges Handeln erforderlich, kann eine Notfallexpositionssituation vorliegen, ansonsten eine bestehende Expositionssituation.

Das StrlSchG regelt unter anderem die Strahlenschutzgrundsätze und Grenzwerte, enthält Genehmigungs- und Anzeigetatbestände und macht Vorgaben zur Betriebsorganisation, zum radiologischen Notfallschutz, zu Radon in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen, zur Bewältigung radioaktiver Altlasten oder zur Prüfung von Radioaktivität in Baustoffen. Die StrlSchV enthält konkretisierende Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung, einschließlich Regelungen zur Freigabe, zum beruflichen Strahlenschutz und zum Strahlenschutz von Personen, an denen radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlung angewendet werden.

Neben der StrlSchV bestehen noch folgende Verordnungen auf der Grundlage des StrlSchG: Die Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung, die die Zulässigkeit der Anwendung von Röntgenstrahlung zur Früherkennung von Brustkrebs regelt, die Notfalldosiswerte-Verordnung, mit der Dosiswerte festgelegt werden, die als radiologisches Kriterium für die Angemessenheit bestimmter Schutzmaßnahmen im Notfall dienen sowie die IMIS-Zuständigkeitsverordnung, die die Zuständigkeit von Bundesbehörden im integrierten Mess- und Informationssystem für die Umweltüberwachung der Radioaktivität nach dem Strahlenschutzgesetz regelt.

Überwachung der Umweltradioaktivität

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl wurde die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt auf der Grundlage des Strahlenschutzvorsorgegesetzes erheblich ertüchtigt und erweitert. Die Regelungen sind in das neue Strahlenschutzgesetz vom 27. Juni 2017 übernommen worden. Die Aktivitätskonzentration in Luft und Gewässern wird mit Hilfe von kontinuierlich arbeitenden, ortsfesten Messnetzen ständig gemessen. Darüber hinaus wird der Strahlenpegel im Bundesgebiet an etwa 1800 Messstationen rund um die Uhr überwacht. Mit einem umfangreichen Messprogramm wird zusätzlich die Aktivitätskonzentration in Lebensmitteln, Futtermitteln oder auch im Trinkwasser in Deutschland überwacht, so dass sichergestellt ist, dass auch kleine Veränderungen der Kontaminationssituation in Deutschland festgestellt werden und darauf reagiert werden kann.

Radon in Wohnungen

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos und kann somit durch die menschlichen Sinne nicht wahrgenommen werden. Radon entsteht beim Zerfall von natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffen im Boden. In der Außenluft verdünnt es sich schnell und stellt dort normalerweise kein Problem dar. Radon kann aber in Gebäude eindringen und sich in der Raumluft anreichern. Eintrittspfade können zum Beispiel Risse im Fundament oder nicht abgedichtete Kabel- und Rohrschächte mit Kontakt zum Erdboden sein. Die Ablagerung der radioaktiven Zerfallsprodukte des Radons in der Lunge und der Zerfall von im Körper verbliebenem Radon erhöhen das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Radon ist nach dem Rauchen eine der häufigsten Ursachen für Lungenkrebs..

NiSG und Verordnungen

Heutzutage kommen zahlreiche Anwendungen nichtionisierender Strahlungsquellen am Menschen zu kosmetischen und sonstigen nichtmedizinischen Zwecken zum Einsatz. Darunter fallen beispielsweise Anwendungen mit Lasern, intensiven Lichtquellen (etwa IPL-Geräte) oder anderen optischen Strahlungsquellen (Solarien), aber auch Ultraschallanwendungen sowie Anwendungen mit Magnetfeldern und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Mit dem Gesetz zur Regelung des Schutzes vor nichtionisierender Strahlung (NiSG) ist in Deutschland im August 2009 erstmals ein rechtlich verbindlicher Rahmen für Anwendungen von nichtionisierender Strahlung am Menschen geschaffen worden. Seitdem gilt das Nutzungsverbot von Solarien durch Minderjährige. Im Jahr 2012 ist die UV-Schutz-Verordnung (UVSV) in Kraft getreten mit Qualitätsanforderungen für den Betrieb von Solarien. Die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) ist in weiten Teilen Ende 2020 in Kraft getreten. Sie regelt den Betrieb von nichtionisierenden Strahlungsquellen, die zum Beispiel in der Kosmetik zur dauerhaften Haarentfernung, Faltenglättung, Zerstörung von Fettgewebe oder zur Entfernung von Tätowierungen eingesetzt werden.

Für Mobiltelefone und Mobilfunkbasisstationen gibt es Grenzwerte, um gesundheitliche Schäden zu verhindern. Wissenschaftlich belastbare Untersuchungen über Schädigungen unterhalb dieser Grenzwerte liegen bisher nicht vor. Um den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auch unterhalb der geltenden Grenzwerte zu verbessern, hat das Bundesumweltministerium das BfSmit der Durchführung des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms beauftragt. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite des Forschungsprogramms.

Die Mobilfunkbetreiber haben sich dazu verpflichtet, die Handyproduzenten zur Entwicklung von strahlungsarmen Geräten zu motivieren. Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt SAR-Werte sämtlicher Handys im Internet zur Verfügung.