Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung

Radioaktive Abfälle aus dem Betrieb und der Stilllegung von Kernkraftwerken und kerntechnischen Anlagen sind bis zu ihrer Verbringung in ein Endlager in Einrichtungen zwischenzulagern, die entsprechend dem Verursacherprinzip durch den Betreiber zu errichten und zu betreiben sind. Mit dem Entsorgungsübergangsgesetz wird der Übergang der Finanzierungsverantwortung für die Zwischenlagerung von den in diesem Gesetz benannten Betreibern auf den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung geregelt. Danach geht die Finanzierungsverpflichtung des jeweiligen Betreibers auf den Fonds über, wenn er die dafür vorgesehene Zahlung an den Fonds erbracht hat. Dies ist fristgerecht und vollständig am 3. Juli 2017 erfolgt. Zur Organisation der Zwischenlagerung wurde eine bundeseigene Zwischenlagergesellschaft gegründet (BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH), welche die im Entsorgungsübergangsgesetz genannten Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von den Betreibern zum 1. Januar 2020, sofern sie zu diesem Zeitpunkt bereits in Betrieb waren, übernommen hat oder mit Inbetriebnahme übernehmen wird. Neben der Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen wird für radioaktive Reststoffe auch das Ziel der Abklinglagerung verfolgt, um zu einem späteren Zeitpunkt eine vereinfachte Verarbeitung und gegebenenfalls Freigabe der Stoffe zu ermöglichen und so den Bedarf an Endlagervolumen zu reduzieren.

Gegenwärtig stehen für die Abfälle neben Einrichtungen an den Standorten der Atomkraftwerke das Abfall-Zwischenlager Unterweser (AZU 1 und AZU 2), das Abfall-Zwischenlager Biblis (AZB 1 und AZB 2), das Abfall-Zwischenlager Ahaus (AZA) (im westlichen Hallenflü-gel), das Abfall-Zwischenlager Gorleben (AZG), das Abfall-Zwischenlager Obrigheim (AZO), das Abfall-Zwischenlager Philippsburg (AZP), das Abfall-Zwischenlager Stade (AZS), das Abfall-Zwischenlager Würgassen (AZW), die EVU-Halle des Zwischenlagers Mitterteich, die Zwischenlager der DAHER NUCLEAR TECHNOLOGIES GmbH (ehemals Nuclear + Cargo Service GmbH (NCS)) in Hanau, das Zwischenlager Nord (ZLN) in Rubenow, das Zwischenlager Rossendorf (ZLR) sowie die Zwischenlagerkapazitäten der Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE) zur Verfügung.

Aufgrund des derzeit noch nicht zur Verfügung stehenden Endlagers wurden und werden die Zwischenlagerkapazitäten für schwach- und mittelradioaktive Abfälle an verschiedenen Standorten erhöht. Am Standort Philippsburg wurde die Zwischenlagerkapazität um 15.000 m³, in Biblis um 8.000 m³ und in Unterweser um 5.000 m³ erhöht; diese zusätzlichen Zwischenlager wurden 2018 (Biblis) und 2020 (Philippsburg und Unterweser) in Betrieb genommen. Zudem sollen die Zwischenlagerkapazitäten in Neckarwestheim um 12.000 m³, in Brunsbüttel um 13.000 m³, in Krümmel um 7.000 m³ und in Grafenrheinfeld um 6.000 m³ durch Errichtung neuer Zwischenlager erhöht werden. Darüber hinaus sind an den Standorten Grohnde (Gesamtaktivität maximal 2⋅1017 Becquerel (Bq)) und Emsland (Gesamtaktivität 3⋅1017 Bq) weitere Zwischenlagerkapazitäten beantragt worden.

Für das Brennelement-Zwischenlager Gorleben wurde der im Dezember 2013 gestellte Antrag über die Aufbewahrung konditionierter radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung für einen separaten Bereich im Brennelemente-Zwischenlager ruhend gestellt.

Radioaktive Abfälle aus den Großforschungseinrichtungen werden in der Regel an ihrem Entstehungsort konditioniert und zwischengelagert. Abfälle aus Forschung, Industrie und Me-dizin können an elf Landessammelstellen abgegeben werden. Die Abfälle werden zum überwiegenden Teil als Rohabfälle angenommen. Ihre Konditionierung kann je nach vorhandenen technischen Einrichtungen vor Ort erfolgen oder wird durch externe Dienstleistungsfirmen wahrgenommen. Für Abfälle aus Forschung, Medizin und Industrie gibt es daneben private Konditionierungs- und Entsorgungsfirmen. Abfälle aus der kerntechnischen Industrie werden vor Ort endlagergerecht konditioniert und entweder im Abfall-Zwischenlager Gorleben (AZG), in der EVU-Halle Mitterteich oder im Zwischenlager der DAHER NUCLEAR TECHNOLO-GIES GmbH in Hanau zwischengelagert.