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20.09.2022

Klimakrise gefährdet Weltnaturerbe "Alte Buchenwälder"

Beim Trefffen des UNESCO-Weltnaturerbe-Komitees stehen in diesem Jahr die Auswirkungen der Klimakrise auf alte Buchenwälder wie Hitze und Dürre auf der Agenda. Dazu besichtigt das Komitee auch den Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Management-Komitee des UNESCO-Welterbes "Alte Buchenwälder" berät im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee

Im Mittelpunkt der derzeitigen Beratungen des UNESCO-Weltnaturerbe-Komitees steht die Auswirkung der Klimakrise auf alte Buchenwälder, insbesondere, wie Hitze und Dürre des diesjährigen Sommers sich auf die Waldschutzgebiete des Welterbes ausgewirkt haben. Bei Fachexkursionen im Nationalpark Kellerwald-Edersee vom 19. bis 21. September haben die internationalen Vertreterinnen und Vertreter von Schutzgebieten und Ministerien die Möglichkeit, das Management eines deutschen Buchenwald-Nationalparks näher kennenzulernen.

Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium, Dr. Bettina Hoffmann: "Gesunde Wälder sind Klimaschützer, sorgen für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, sind Hotspots biologischer Vielfalt und bieten zugleich Erholungsorte für Menschen. Doch insbesondere Buchenurwälder und alte naturnahe Buchenwälder sind in Deutschland und Europa heute auf wenige Gebiete zurückgedrängt. Die Anerkennung der alten Buchenwälder und Buchenurwälder als UNESCO-Weltnaturerbe leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung dieser wertvollen Relikte, um sie für die künftigen Generationen zu bewahren."

Vom 19. bis 21. September 2022 ist Deutschland Gastgeber der jährlich stattfindenden Sitzung des Gemeinsamen Management-Komitees. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen) beraten Vertreterinnen und Vertreter aus 16 der 18 europäischen Mitgliedsstaaten darüber, wie sie die staatenübergreifende Arbeit erfolgreich organisieren und ihre gemeinsamen Ziele zum langfristigen Schutz des Welterbes weiter voranbringen können. Staatssekretär im Hessischen Umweltministerium, Oliver Conz: "Hessen als 'Buchenland‘ trägt eine besondere Verantwortung für den Schutz dieses wertvollen Ökosystems. Wir schützen hier die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Wie sehr die Artenvielfalt durch das Welterbe gewinnt, zeigt sich am Beispiel Wildkatze. Als der Nationalpark etabliert wurde, gab es in der Gegend keine Wildkatzen. Nach wenigen Jahren konnten die ersten Katzen nachgewiesen werden. Inzwischen ist der Nationalpark voll besetzt, sodass sich die Katzen auch in die angrenzenden Wälder ausbreiten. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte, die im Herzen des Nationalparks – dem Welterbe – seinen Anfang nahm."

Seit das UNESCO-Welterbekomitee im Juni 2011 fünf Buchenwaldgebiete in Deutschland in die Liste des Welterbes aufgenommen hat, ist die europäische transnationale Welterbestätte weiter gewachsen. Heute umfasst die gemeinsame UNESCO-Welterbestätte "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" 94 Gebiete in 18 europäischen Ländern – von Albanien bis zur Ukraine – von der Ostsee bis in die Karpaten. Damit ist das Buchenwälder-Welterbe Spitzenreiter: Keine anderes UNESCO-Welterbe umfasst so viele Staaten.

Hintergrund:

Die transnationale UNESCO-Welterbestätte "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" umfasst heute 94 Gebiete in 18 europäischen Ländern (Albanien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, Nord-Mazedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Slowenien, Slowakische Republik, Spanien, Tschechische Republik, Ukraine) mit fast 100.000 ha natürlicher Buchenwälder.

Die Anerkennung durch das UNESCO-Welterbe-Komitee erfolgte in vier Schritten (2007, 2011, 2017 und 2021). Die 2011 anerkannten deutschen Gebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturnaher Buchenwälder in Deutschland:

  • "Jasmund" im Nationalpark Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern),
  • "Serrahn" im Müritz-Nationalpark (Mecklenburg-Vorpommern),
  • "Grumsin" im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg),
  • "Hainich" im Nationalpark Hainich (Thüringen) und 
  • "Kellerwald" im Nationalpark Kellerwald-Edersee (Hessen)
20.09.2022 | Pressemitteilung Nr. 127/22 | Naturschutz/Biologische Vielfalt