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13.07.2016

Wie das nördlichste Dorf der Welt den Klimawandel erforscht

Jeden Tag um 13 Uhr lassen die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut auf Spitzbergen einen Luftballon steigen – und das seit 25 Jahren. Letztes Jahr hat ihnen Ban Ki-moon dabei geholfen, der UN-Generalsekretär. Und an diesem Mittwoch ist es Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die den Ballon in die Stratosphäre entlässt.

Denn dieser heliumgefüllte Ballon ist nicht nur außergewöhnlich groß, er zieht auch Sonden in die Höhe, mindestens 30 Kilometer hoch. Von dort oben funken sie Daten herab, die den Forschern in Ny Alesund zeigen, wie warm oder kalt die unterschiedlichen Luftschichten sind und wo welcher Wind herrscht. In den letzten zehn Jahren haben sich die Messwerte deutlich verändert. Hoch oben in der Stratosphäre wird es kälter. Denn die Wärme, die dort fehlt, hat sich nach unten verlagert – und macht nun Menschen und Tieren am Boden zu schaffen, vor allem in der Arktis. Während der Globus sich im Durchschnitt seit der Industrialisierung um knapp 1 Grad erwärmt hat, waren es hier auf Spitzbergen mehr als 2 Grad in den letzten 20 Jahren, Denn wenn das Meereis schmilzt, wird weniger Sonnenlicht in die Stratosphäre reflektiert und heizt stattdessen das Meer auf – die Erwärmung verstärkt sich so selbst.

In Ny Alesund sind sie besonders betroffen vom Klimawandel in der Arktis. Und sie sind zugleich führend, wenn es darum geht, ihn zu erforschen. Die ehemalige Bergarbeitersiedlung – das nördlichste Dorf der Welt – hat sich zu einem Ort entwickelt, der allein der Forschung dient. Zehn unterschiedliche Nationen betreiben hier 14 Forschungsstationen. Die langen dunklen Winter und die kalten Winde von den umgebenden Gletschern haben die Wissenschaftler aus aller Welt zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt, in der jeder dem anderen hilft.

Auf ihrer Arktisreise nimmt Barbara Hendricks sich viel Zeit für die Forscher, es gibt viel zu fragen und viel zu lernen. Karin Lochte, die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung begleitet sie. Sie sagt: "Man kann den Klimawandel bei uns nicht verstehen, ohne die Entwicklung in der Arktis zu verstehen." So könnten kalte Wintereinbrüche in New York und fehlende Winter in Europa eine Folge der Aufwärmung der Atmosphäre über der Arktis sein.

Barbara Hendricks lobt die Arbeit der Forscher: "Sie zeigen uns, wie verwundbar unser Planet ist und worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen. Die Arktis ist ein Frühwarnsystem für den Klimawandel. Und sie ist uns deutlich näher als viele glauben. Denn im komplexen Klimasystem hängt alles miteinander zusammen."

13.07.2016 | Meldung Forschung | Berlin