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08.08.2007

Hintergrundpapier zum Vergleich des Krebsrisikos zwischen Diesel- und Ottomotoremissionen

Dieselmotoren stehen seit einigen Jahren im Ruf, krebserzeugende Partikel zu emittieren. Insbesondere ältere Dieselmotoren stossen pro gefahrenem Kilometer grosse Mengen dieser Partikel aus.

Hinreichend belegt ist, dass Dieselrusspartikel in hoher Konzentration in Langzeitversuchen an Ratten Lungentumore erzeugen. Strittig ist allerdings bislang, ob diese Befunde auf Menschen übertragbar sind. Auch unter der Annahme, dass mehr für als gegen ein Krebsrisiko durch Dieselrusspartikel beim Menschen spricht, bleibt nach wie vor die Frage, wie hoch das von niedrigen Umweltkonzentrationen ausgehende Risiko ist. Letztlich muss geklärt werden, ob das von Dieselmotoremissionen ausgehende Risiko relevant und - falls dies der Fall sein sollte - unvertretbar höher - als das von Ottomotoremissionen ist.

Zur Klärung dieser Frage wurde im Frühjahr 1997 im Umweltbundesamt ein "Forschungsbegleitkreis Dieselmotoremissionen" gebildet, dem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes und externe Sachverständige (Toxikologen, Epidemiologen und Arbeitsmediziner aus dem universitären Bereich und der Automobilindustrie) angehören. In den vergangenen zwei Jahren hat der Arbeitskreis u.a. die Durchführung eines Risikovergleichs zwischen Diesel- und Ottomotoremissionen hinsichtlich ihrer kanzerogenen und nichtkanzerogenen Wirkung initiiert. Er hat die Studie, die das Fraunhofer Institut für Toxikologie und Aerosolforschung in Hannover erarbeitet hat, begleitet und war beratend tätig.

Aus dem Abschlussbericht des Forschungsvorhabens ergibt sich, dass die Abgase älterer Diesel-Pkw das mit Abstand höchste kanzerogene, d.h. krebserzeugende Wirkpotential aufweisen. Es ist annähernd um das Zehnfache höher als bei Ottomotoren ohne Katalysator. Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre haben aber erfreulicherweise dazu geführt, dass die Krebsrisiken von Kfz-Emissionen insgesamt drastisch gesenkt werden konnten.

Die krebserzeugende Wirkung der Dieselmotorabgase ist fast ausschliesslich auf die emittierten Partikel zurückzuführen. Mit der Umsetzung weiterer Abgasminderungsstufen, verbunden mit einer weiteren Minimierung der Partikelemissionen, wird die krebserzeugende Wirkung drastisch sinken. Setzt man die krebserzeugende Potenz der Emissionen eines Diesel-Pkw der 80er Jahre mit 100 Prozent an, so wird das Risiko durch bereits erfolgte bzw. noch folgende Abgasminderungsstufen bei Pkw auf nur noch 11 Prozent sinken. Die Einführung von Partikelfiltern würde eine Minderung des kanzerogenen Potentials auf letztlich nur noch 1,4 Prozent der Ausgangssituation bringen.

Auch die Abgase von Ottomotoren enthalten krebsauslösende Schadstoffe. Im Vordergrund der krebserzeugenden Wirkung stehen hier Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH). Durch den Einsatz von Katalysatoren werden diese Schadstoffe etwa in gleichem Umfang wie die Gesamtkohlenwasserstoffe reduziert, d.h. bis zu über 90 Prozent.

Der Vergleich zwischen Dieselmotor und Ottomotor zeigt: Die krebserzeugende Potenz der Ottomotoremissionen liegt sowohl bei EURO 2, 3 als auch 4 um mindestens den Faktor 10 niedriger als bei vergleichbaren Diesel-Pkw. Erst die Einführung der Partikelfilter lässt die Partikelemission pro gefahrenem Kilometer und damit die kanzerogene Wirkung auf ein vergleichbar niedriges Niveau von Ottomotoren sinken.

1 Mangelsdorf I., Aufderheide M., Boehncke A., Melber C., Rosner G. (Frauenhofer Institut für Toxikologie und Aero-solforschung, Hannover), Höpfner U., Borken J., Patyk A. (Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg), Pott F., Roller M. (Medizinisches Institut für Umwelthygiene, Düsseldorf), Schneider K., Voss JU (Forschungs- und Beratungsinstitut Gefahrstoffe, Freiburg): Durchführung eines Risikovergleiches zwischen Dieselmotoremissionen und Ottomotoremissionen hinsichtlich ihrer konzerogenen und nicht-kanzerogenen Wirkung. In: UBA-Berichte 2/99; Erich Schmidt Verlag

08.08.2007 | Meldung Verkehr | Bonn / Berlin