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04.11.2021

Deutschland unterzeichnet "Global Coal to Clean Power Transition-Statement"

Ein weltweiter Kohleausstieg ist im Kampf gegen die Klimakrise unumgänglich. Im Rahmen der COP 26 haben sich die Nationen zum Ausstieg aus der Kohleenergie verpflichtet.

Declaration "Supporting the Conditions for a Just Transition"

Deutschland hat heute das "Global Coal to Clean Power Transition-Statement" und die Declaration "Supporting the Conditions for a Just Transition" gezeichnet.

Dazu erklärt Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Im Kampf gegen die Klimakrise ist ein weltweiter Kohleausstieg eine der wichtigsten Maßnahmen. Schon bald wird die Weltwirtschaft alle fossilen Energieträger hinter sich gelassen haben und ihren Energiebedarf auf innovative und nachhaltige Weise durch erneuerbare Energien decken. Auf dem Weg dahin gilt es, die sozialen Folgen durch aktive Politik abzufedern und Kohleregionen dabei zu unterstützten, gute und nachhaltige neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Politik muss gemeinsam mit allen Beteiligten einen sozial gerechten Übergang gewährleisten. Deutschland ist bereit, seine Erfahrungen bei der Umstrukturierung der Wirtschaft zu teilen. Deshalb unterstützen wir das Coal to Clean Statement und die Just Transition Declaration. Deutschland unterstreicht sein Bekenntnis, auch in Zukunft den Übergang zu einer sicheren, nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung weltweit zu unterstützen."

Weitere Informationen und Hintergründe:

Zwei zentrale Ergebnisse der Zusammenarbeit im Rahmen der COP 26 zum Kohleausstieg sind die COP 26-Erklärungen zu "Global Coal to Clean Power Transition" sowie zu "Supporting the conditions for a Just Transition internationally". Deutschland sowie die Europäische Union unterstützen die beiden Erklärungen. Zusammengefasst verpflichten sich die unterzeichnenden Staaten zu den folgenden Punkten:

  • den Stromsektor im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens größtenteils in den 2030ern (große Volkswirtschaften) beziehungsweise in den 2040ern (global) (oder so bald wie möglich danach) zu dekarbonisieren;
  • saubere Technologien, wie erneuerbare Energien und Energieeffizienz stärker zu fördern;
  • den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu beschleunigen und keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu genehmigen oder zu bauen;
  • und bei der Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern zur Dekarbonisierung kohlenstoffintensiver Industrien auf die Umsetzung einer sozial-gerechten und inklusiven Transformation zu achten.

Die Bundesregierung begrüßt die beiden COP 26 Erklärungen und die neuen Zusagen der genannten Länder. Deutschland wird weiter mit vielen Partnerländern zusammenarbeiten, um die Abkehr vom Kohleabbau und der Kohlenutzung sozial und umweltverträglich zu gestalten. Dabei ist es zentral, dass mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung kein Einstieg in andere fossile Energien oder die Atomkraft einhergeht. Die beschränkten Ressourcen müssen für eine nachhaltige, sichere und klimafreundliche Energiezukunft eingesetzt werden. Darüber hinaus sind im Rahmen des COP 26 Energy Day 28 neue Mitglieder der Powering Past Coal Alliance (PPCA) beigetreten. Die PPCA umfasst nunmehr mehr als 165 Mitglieder, darunter Staaten wie die Ukraine, sub-nationale Verwaltungsbezirke wie den US-Bundesstaat New Mexico sowie Finanzinstitutionen und Unternehmen. Deutschland ist seit 2019 Mitglied.

Warum ist der Stromsektor so wichtig für die Dekarbonisierung?

Der Stromsektor ist für circa ein Viertel der globalen, menschengemachten Treibhausgas (THG)-Emissionen verantwortlich und spielt damit eine zentrale Rolle bei der Erreichung der THG-Neutralität. Die Verbrennung von Kohle für die Stromproduktion ist weltweit die größte "Einzelquelle" von energiebedingten CO2-Emissionen. Somit ist der Ausstieg aus der Kohleverbrennung und der konsequente Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien ein wichtiger Schritt, um die Wirtschaft klimaneutral zu modernisieren und Voraussetzung, um unsere Klimaziele zu erreichen. Auch in der Industrie muss die stoffliche und energetische Nutzung von Kohle und anderen fossilen Rohstoffen künftig vermieden werden, um Treibhausgasneutralität erreichen zu können.

Vor diesem Hintergrund hat eine Vielzahl an Staaten, internationalen Organisationen und Banken im Rahmen einer COP26 "Energy Transition Campaign" in den letzten zwölf Monaten eng zusammengearbeitet, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu beschleunigen. Zentrale Herausforderung ist, den Übergang von der Kohlenutzung zu den erneuerbaren Energien so zu gestalten, dass für die betroffenen Regionen, Kommunen und im Kohlesektor Beschäftigte alternative Einkommensmöglichkeiten und nachhaltige Zukunftsperspektiven geschaffen werden. Eine moderne, zuverlässige, risikofreie und bezahlbare Stromversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, intelligenten Netzen und dezentralen Lösungen gepaart mit einem hohen Maß an Flexibilität auf Seiten der Nachfrage bietet große Chancen, gute, sichere und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen, Luftqualität und damit auch die öffentliche Gesundheit zu verbessern, sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Industrien langfristig zu stärken. Um dies zu erreichen, bedarf es in vielen Ländern jedoch kontinuierlich Fortschritte bei der Entwicklung von regulatorischen Rahmenbedingungen und bei der Modernisierung von Infrastrukturen.

Welche Perspektive hat Kohle derzeit bei der weltweiten Energienutzung?

Während die Nachfrage nach Kohle aufgrund der Corona-Pandemie eingebrochen war, steigt die Nachfrage mit der wiederanlaufenden Weltwirtschaft stark an. Gleichzeitig führen die sehr hohen Erdgaspreise dazu, dass Kohle weiterhin attraktiv bleibt.

Bei den jüngsten Entwicklungen des Weltmarktpreises für Kohle dürfte es sich allerdings lediglich um eine kurz- bis mittelfristige Erscheinung handeln, welche stark durch China, verantwortlich für mehr als die Hälfte der globalen Kohlekraftwerkskapazitäten, getrieben ist. Denn auch die IEA geht davon aus, dass der "Peak Coal" bereits erreicht wurde. Neben mangelnder Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Erneuerbaren stellen immer mehr Länder die Weichen für die langfristige Dekarbonisierung des Energiesektors, das heißt aus wirtschaftlichen und umweltpolitischen Gründen werden geplante Kohleprojekte gestoppt oder ein Ausstieg aus der Kohleverstromung festgelegt. Beschleunigt wird dieser Trend durch die jüngsten Ankündigungen der bislang weltweit größten staatlichen Finanzgeber von Kohlekraftwerken Südkorea, Japan und China, staatliche Unterstützungen für den Bau von neuen Kohlekraftwerken in Drittstaaten einzustellen. Hinzu kommt, dass sich nach den G7 auch die G20-Staats- und Regierungschefs in Rom auf das Ende der staatlichen internationalen Kohlefinanzierung bis Ende 2021 verständigt haben. Dagegen baut China die nationalen Kraftwerkskapazitäten weiterhin aus (in Bau/Planung circa 163 Gigawatt (GW); entspricht 55 Prozent der weltweiten Kohlekraftwerkspipeline), ebenso Indien, Indonesien, Türkei und Vietnam. Doch auch hier gibt es erste Signale für eine Trendwende.

Die Debatten zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ("thermische" Kohle) sind mittlerweile Mainstream in internationalen klima- und energiepolitischen Diskussionen. Deutschland unterstützt diese als aktives Mitglied der PPCA. Gleichzeitig stehen die Diskussion zur Vermeidung der Nutzung von Kohle in Industrieprozessen international noch am Anfang. 35 Prozent bis 40 Prozent der weltweit eingesetzten Kohle wird in der Industrie beispielsweise zur Stahlherstellung, als sogenannte "metallurgische Kohle" (hauptsächlich Kokskohle) im Hochofen, genutzt. Mit dem Einsatz von grünem, das heißt aus erneuerbaren Energien erzeugtem Wasserstoff, in sogenannten Direktreduktionsanlagen steht jedoch eine treibhausgasneutrale Produktionstechnologie zur Verfügung. Deutschland setzt sich für den Markthochlauf dieser nachhaltigen Technologie und die Vermeidung der stofflichen und energetischen Nutzung von Kohle in der Industrie insgesamt ein. Die Nutzung von Kohle in der Stahlindustrie durch den Einsatz von Carbon Capture and Utilization (CCUS)-Technologien zu zementieren, lehnt Deutschland ab.

04.11.2021 | Meldung Klimaschutz