Häufig gestellte Fragen zur Anpassung an den Klimawandel

Der Blick auf ein vom Hochwasser betroffenes Gebiet.

Was mit dem Klimawandel wirklich auf uns zukommt, ist nicht immer leicht zu ermitteln: Klimafolgen sind komplex, Studien betrachten oft nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit und Informationsflüsse zwischen relevanten Stellen sind nicht ausreichend etabliert. Daher soll eine systematische Erfassung für ganz Deutschland erfolgen. Mit ihr kann der Bund, die Länder und Kommunen dann genauer erfahren, wer am meisten unter den Folgen des Klimawandels leidet und was Schäden und Vorsorgemaßnahmen wirklich kosten. So lassen sich künftige Bedarfe besser abschätzen und rechtzeitig die richtige Vorsorge treffen. Antworten soll ein Klima-Schadenskataster liefern, dessen Methodik und Struktur das Umweltbundesamt entwickelt.

FAQ Anpassung an den Klimawandel

Was kostet uns der Klimawandel in Deutschland heute schon?

Bisher gibt es noch kein vollständiges Bild vom Ausmaß der Schäden durch den Klimawandel oder den genauen Anteil des Klimawandels an Extremwettereignissen, vor allem wegen methodischer Schwierigkeiten. Daher bezieht die Bundesregierung Daten und Studien anderer relevanter Akteure zu den Kosten durch Schäden von Extremwettereignissen in ihr Handeln ein. Wir wissen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV), dass die Versicherer für Beschädigungen durch Sturm, Hagel und weitere Naturgefahren wie Starkregen im Jahr 2020 rund 2,5 Milliarden Euro geleistet zu haben. 2019 waren es rund 3,0 Milliarden Euro in der Sach- und Kraftfahrzeugversicherung. Seitens des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden für Berlin und Hessen für den Sommer 2018 insgesamt etwa 1.200 hitzebedingte Sterbefälle ermittelt.  In den Jahren 2017-2020 haben Stürme, Dürre und Hitzewellen sowie Massenvermehrung von Borkenkäfern gravierende Schäden im Wald verursacht. Auf Grundlage einer Länderabfrage mit Stand 31. Dezember 2020 ist von einer geschädigten Waldfläche von insgesamt 277.000 Hektar auszugehen.

Was ist das Klima-Schadenskataster der Bundesregierung?

Das Klima-Schadenskataster ist eine zentrale Maßnahme des Aktionsplans Anpassung aus dem Zweiten Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie. Das Bundesumweltministerium lässt derzeit vom Umweltbundesamt eine praxisorientierte Methodik zur Erfassung der ökonomischen Wirkung von Klimawandel und Anpassungsmaßnahmen erarbeiten. Langfristige Schäden und Schadenskosten durch den Klimawandel sollen künftig systematisch in einem so genannten Klima-Schadenskataster gebündelt werden. Dabei sollen sowohl versicherte Schäden und nicht-versicherte, monetäre sowie erweiterte Schäden (zum Beispiel Ökosystemleistungen) berücksichtigt werden. Parallel zur Entwicklung des Klima-Schadenskatasters werden wir uns zudem einen umfassenden Überblick verschaffen, welche Ausgaben der Bund heute für die Klimaanpassung vorsieht und welche zukünftig benötigt werden. Dadurch lassen sich künftige Schadenskosten besser abschätzen und dem nötigen Aufwand für Anpassungsmaßnahmen gegenüberstellen.

Wer ist zuständig für die Anpassung an den Klimawandel?

Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel bildet den strategischen Rahmen innerhalb der Bundesregierung für die Politik der Klimaanpassung. In der Strategie werden die Maßnahmen der Bundesregierung der einzelnen Ressorts gebündelt und zusammenführt. Jedes Ministerium ist aber weiterhin selbst verantwortlich für alle Maßnahmen in seinem Bereich. Dem BMU kommt im Kontext dieser Zusammenarbeit eine koordinierende Rolle zu. Eine übergeordnete Koordinierung geschieht im Rahmen der Interministeriellen Arbeitsgruppe Anpassung der Bundesregierung sowie durch ein Behördennetzwerk von 25 Bundesoberbehörden. Hier werden strategische Fragen und (wissenschaftliche) Grundlagenarbeit wie die Bewertung von Risiken und Maßnahmen, das Berichtswesen zur Klimaanpassung in Deutschland oder die Weiterentwicklung der Strategie wahrgenommen.

Was erschwert bislang das Erfassen von Schäden durch den Klimawandel an zentraler Stelle?

Die tatsächlichen klimawandelbedingten Schäden in Deutschland können derzeit noch nicht vollständig erfasst und beziffert werden. Neben rechtlichen Hürden und fehlenden Informationsflüssen hat das weitere Gründe:

  1. Analysen nur im Sektor: Aktuelle Untersuchungen für Deutschland betrachten nur einen Ausschnitt. Versicherer erfassen den Schaden an Gebäuden und Infrastruktur. Landwirte und ihre Verbände die Erträge und Ausfälle. Andere Stellen erfassen die erhöhte Sterblichkeit, Kriminalitätsrate oder verringerte Arbeitsproduktivität. Es fehlt eine Bündelung der Daten an zentraler Stelle, wo auch Rückschlüsse von einem Sektor auf den anderen gezogen werden.
  2. Klimafolgen sind komplex: Klimafolgen betreffen sowohl graduelle Veränderungen (Temperatur- und Meeresspiegelanstieg) als auch eine Zunahme von Extremereignissen (wie Hitze oder Starkregen). Sie haben nicht nur unmittelbare, sondern auch vielfältige indirekte, schwer zu beziffernde Auswirkungen, zum Beispiel ökonomische Einbußen durch Zeitverluste infolge von Schäden der Infrastruktur wie Böschungsbrände oder Geschwindigkeitsreduzierungen an Autobahnen; erhöhte Transportkosten und Havarien infolge von Einschränkungen der Abladetiefen infolge von Niedrigwasser.
  3. Offene Forschungsfragen: Noch ist es schwierig zu ermitteln, welcher konkrete Anteil dieser Schäden sich auf den Klimawandel zurückführen lässt. Beispiel: Hochwasser hat es schon immer gegeben, infolge des Klimawandels treten sie mittlerweile häufiger auf. In der Attributionsforschung kann nachgewiesen werden, dass eine Kausalität zwischen Klimawandel und Extremereignissen besteht. Welcher Anteil eines Schadensereignisses genau durch den Klimawandel verursacht worden ist, wird derzeit noch erforscht.

Was ist Klimaanpassung?

Der Klimawandel verändert unsere Umwelt und wird auch unser Leben in Deutschland verändern. Er hat unter anderem Einfluss auf unser Wohnen, Arbeiten und unsere Gesundheit. Um auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet zu sein, legte die Bundesregierung 2008 eine Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) vor. Die Strategie, die 2011 mit einem Aktionsplan unterlegt wurde, schafft einen Rahmen zur nationalen Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels und etabliert einen mittelfristigen Prozess, in dem mit den betroffenen Akteuren der Handlungsbedarf sowie mögliche Anpassungsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden sollen. Mit der Strategie bündelt die Bundesregierung, die in den verschiedenen Bundesministerien laufenden Arbeiten zur Anpassung an den Klimawandel in einem gemeinsamen Rahmen.

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